Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht ihre Angriffe auf den Gazastreifen ausgeweitet. Dabei wurden mindestens 14 Palästinenser getötet. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte starben allein 13 Menschen bei Angriffen im südlichen Chan Junis, darunter vier Kinder. Auch das Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum des Palästinensergebiets wurde getroffen, ein Mensch starb.

Seit Beginn der israelischen Offensive am Dienstag sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 68 Menschen getötet worden. Mehr als 400 seien verletzt worden, sagte der Ministeriumssprecher. Etwa zwei Drittel davon seien Zivilisten. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 600 Ziele in der Enklave am Mittelmeer bombardiert. Laut Hamas wurden dabei mehr als 70 Wohnhäuser führender Hamas-Funktionäre zerstört. 

Am Mittwochabend hatten Extremisten nach israelischen Armeeangaben drei Raketen auf das einzige Atomkraftwerk des Landes in Dimona abgefeuert, das rund 70 Kilometer südöstlich des Gazastreifens gelegen ist. Das Abwehrsystem "Eiserner Dom" habe ein Geschoss abgefangen, die beiden anderen seien ohne Schaden anzurichten auf offenem Gelände niedergegangen. In Dimona befinden sich unbestätigten Vermutungen zufolge auch zentrale Teile des militärischen Nuklearprogramms Israels.

Die israelische Regierung erwägt, bald Bodentruppen in den Gazastreifen zu schicken – so wie zuletzt 2012. Das Militär erklärte nach einem Bericht der Zeitung Times of Israel, es seien bisher in anderthalb Tagen mehr Ziele getroffen worden als damals während der achttägigen Offensive gegen die Hamas. Bis Mittwochnachmittag seien 400 Tonnen Sprengstoff eingesetzt worden. Ein israelischer Militärsprecher sagte nach Angaben des Onlineportals Ynet, die Streitkräfte hätten noch Tausende potenzielle Angriffsobjekte mehr im Gazastreifen. "Wenn wir handeln müssen, werden wir nicht zögern", sagte Brigadegeneral Moti Almoz. Nach Schätzungen befindet sich mittlerweile die Hälfte der acht Millionen Israelis in Reichweite der Hamas-Raketen. Berichte über Opfer auf israelischer Seite lagen nicht vor. 

Ban Ki Moon: "Auf Messers Schneide"

Der UN-Sicherheitsrat hat angesichts der eskalierenden Gewalt im Nahen Osten für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung einberufen. "Gaza steht auf Messers Schneide", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. "Die eskalierende Situation führt zu einem Teufelskreis, der schnell außer Kontrolle geraten könnte." Er bezeichnete sie als "eine der entscheidendsten Krisen der Region in den vergangenen Jahren". Die Region können sich keinen weiteren Krieg leisten. Ban forderte erneut alle Seiten zu größtmöglicher Zurückhaltung auf.  

Es gilt als unwahrscheinlich, dass der UN-Sicherheitsrat in dem Konflikt auf einen Nenner kommt. Die USA, die als ständiges Mitglied ein Veto-Recht haben, stellten sich hinter Israel, forderten aber zugleich Israelis und Palästinenser zur Mäßigung auf. So sicherte US-Präsident Barack Obama Israel in einem Gastbeitrag für die ZEIT die weitere Unterstützung in dem Konflikt zu. Die Forderung einer raschen Beendigung des Militäreinsatzes blieb derweil aus.

Kanzlerin Angela Merkel hat laut Angaben der Bundesregierung in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu die Raketenangriffe auf Israel scharf verurteilt. Es gebe keinerlei Rechtfertigung dafür. Netanjahu sprach am Mittwoch auch mit US-Außenminister John Kerry und Ban.