Eine der besten Nachrichten, wer hätte das gedacht, kommt in diesen Tagen aus der islamischen Welt. Indonesien, das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung, hat einen neuen Präsidenten gewählt. Die Mehrheit hat für Joko Widodo gestimmt, den bisherigen Gouverneur der Hauptstadt Jakarta.

Warum das eine gute Nachricht ist? Weil der 53 Jahre alte "Jokowi", wie er von allen genannt wird, ein Mann des Volkes ist. Aus einfachen Verhältnissen hat er sich hochgearbeitet, hat eine Möbelfabrik aufgebaut, ging dann in die Politik, war Bürgermeister der Stadt Solo in Zentraljava, wurde schließlich im Jahr 2012 Gouverneur von Jakarta.

Joko Widodo ist ein Macher, er hat es gern konkret. Er will, dass die Kanalisation funktioniert und der Verkehr rollt. Und bei seinen unangemeldeten Besuchen in der Verwaltung hat er schon manchen Beamten aus dem Mittagsschlaf gerissen. Das Volk liebt ihn dafür.

Die Alternative bei dieser Wahl war klar. Gegenkandidat war Prabowo Subianto, Ex-General und Ex-Schwiegersohn des früheren Diktators Suharto, Repräsentant des indonesischen Establishments, schwerreich und mit den führenden Familien des Landes eng verbunden. Als junger Offizier soll er sich in Osttimor schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben. Ein Mann also, mit dem sich Indonesien nicht so gut in der Welt hätte sehen lassen können.

Und doch fiel die Wahl am Ende knapper aus als lange erwartet, nicht zuletzt aufgrund einer Verleumdungskampagne gegen Joko Widodo, die aus dem indonesischen Muslim einen in Singapur geborenen Christen chinesischer Abstammung machte. Um die Gerüchte zu widerlegen, begab er sich ein paar Tage vor der Wahl auf Pilgerreise nach Mekka.

Am Ende, als die 135 Millionen Stimmzettel in 480.000 Wahlbezirken ausgezählt waren, triumphierte der Emporkömmling. Wieder gelang Indonesien damit ein friedlicher Machtwechsel, wahrlich kein kleiner Erfolg für eine Nation von 250 Millionen Menschen, die heute zu Recht für sich reklamieren kann, sie sei – nach Indien und den USA – die drittgrößte Demokratie der Welt.

Was ein Grund zur Freude ist. Denn nach der Unabhängigkeit von den Niederlanden im Jahr 1945 wurde Indonesien bis zum Ende der Ära Suharto 1998 mehr als ein halbes Jahrhundert lang diktatorisch regiert. In Jakarta gaben die Militärs und die Reichen den Ton an. Und nun: ein Möbelhändler, der sich aus eigener Kraft empor gearbeitet hat.

Mancher sieht in dem künftigen Präsidenten, der im Oktober auf Susilo Bambang Yudhoyono folgt, bereits den "indonesischen Obama". Vorsicht! Joko Widodo, der "Meister des Mikromanagements" (Financial Times) hat sich bisher als Lokalpolitiker bewährt, die nationale Bühne betritt er ohne Erfahrung. Auch kann er sich im Parlament nur auf eine Minderheit der Abgeordneten stützen.

Er wäre klug beraten, für seine Regierung auf kompetente Fachleute zu setzen, die sich der drängendsten Themen des Landes annehmen: ein zurückgehendes Wirtschaftswachstum, eine zerfallende Infrastruktur und eine ausufernde Korruption.

Auf Joko Widodo richten sich gewaltige Erwartungen. Er stieg als Politiker in der Erneuerungsbewegung Reformasi auf. Jetzt hat er das Mandat, auf nationaler Ebene umfassende Reformen durchzusetzen. Hat er das Zeug und die Kraft dazu? "Ich bleibe ruhig", sagte "Jokowi" in einem Zeitungsgespräch. "Ich halte mich an die javanische Philosophie des ojo kagetan – nur nicht nervös werden!"