US-Generalstabschef Martin Dempsey hält die irakische Armee für fähig, im Kampf gegen die Isis-Terroristen die Hauptstadt Bagdad zu verteidigen. Die von den radikalen Sunniten eroberten Gebiete werde die Armee aber nicht ohne Hilfe aus dem Ausland zurückerobern können, sagte er. Dabei dürfte es vor allem logistische Probleme geben.

Entscheidend für einen Erfolg im Kampf gegen Isis seien aber auch politische Fortschritte im Irak, machte Dempsey klar. Es komme darauf an, dass es der politischen Führung gelinge, eine "Regierung der nationalen Einheit" zu bilden. Dagegen aber stellt sich der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki.  

Die USA unterstützen das irakische Militär beratend mit mehreren Hundert Soldaten. Die Terrorgruppe Isis beherrscht nach Einschätzung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte nun im Norden und Osten Syriens ein Gebiet, das von der türkischen bis zur irakischen Grenze reicht. Zudem kontrolliert sie große Teile im Norden und Westen des Iraks. Auch im Osten Syriens brachte sie weitere Gebiete unter ihre Kontrolle, darunter ein wichtiges Ölfeld.

Parallel treiben die irakischen Kurden ihre Abspaltung und damit auch den Zerfall des Landes voran. Ihr Parlament will einen Termin für ein Referendum über die Unabhängigkeit ihrer Autonomieregion im Nordirak festlegen. Der Irak sei "fertig", sein Ministerpräsident Nuri al-Maliki gescheitert, sagte der Außenbeauftragte der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Hemin Hawrami.

Wie der Nachrichtensender Al-Arabija berichtet, mobilisiert Saudi-Arabien seine Armee. Das Königreich reagiert damit auf den Abzug irakischer Soldaten von der Grenze zu Saudi-Arabien und Syrien. Eine offizielle Bestätigung aus Riad gab es dafür bisher nicht. Die Grenze zwischen den beiden Ländern ist mehr als 800 Kilometer lang.

Der Partnersender Al-Hadath hatte am Mittwochabend ein Video veröffentlicht, das angeblich irakische Soldaten zeigt, die sich von der Grenze zu Syrien und Saudi-Arabien zurückgezogen haben. Demnach sollen insgesamt 2.500 irakische Militärangehörige die Grenzgebiete verlassen haben. Das irakische Militär wies den Bericht jedoch zurück. Entsprechende Meldungen seien eine Lüge, sagte ein Sprecher.

Aufruf zur Einheit

Die Isis hatte vergangenen Sonntag ein islamisches Kalifat in den beiden Ländern ausgerufen. Zugleich benannte sich die Gruppe in "Islamischer Staat" um. Ihr erklärtes Ziel ist der Marsch auf Bagdad.

Der saudische König Abdullah und US-Präsident Barack Obama riefen die führenden Politiker des Iraks auf, eine neue Regierung zu bilden, die alle Gruppen des Landes vereine. Der schiitische Ministerpräsident Al-Maliki möchte im Amt bleiben. Schiitische, sunnitische und kurdische Politiker fordern jedoch seinen Rückzug.