Am Mittwochmorgen um halb neun war zum zweiten Mal in diesem Krieg in Tel Aviv der durchdringende Lärm der Sirenen zu hören. 90 Sekunden später gab es einen dumpfen Knall. Die erste Rakete war bereits am Abend zuvor um sieben Uhr eingeschlagen. Man kann nicht unbedingt hören, ob die Geschosse vom Abwehrsystem abgefangen werden oder ob sie auf dem Boden landen. Die Explosionen klingen ähnlich. 

Sirenenlärm gehört jetzt also wieder zur Kulisse der Stadt. Überraschend kam das nicht. Kurz zuvor waren die Schutzbunker geöffnet worden, erstmals wieder seit dem letzten großen Schlagabtausch mit der Hamas 2012. Da stand längst fest, dass die Formel "Ruhe wird mit Ruhe beantwortet" längst erneut durch die beidseitige Drohung "Eskalation wird zu Eskalation führen" ersetzt worden ist.

Am Tag eins der israelischen Militäroperation Protective Edge, die den Angriffen aus Gaza ein Ende setzen soll, wurden am Dienstag insgesamt 117 Raketen auf Israel abgeschossen

Asymmetrischer Krieg

Oft kamen mehrere auf einmal, um das Abwehrsystem außer Kraft zu setzen. Einige reichten weit über Tel Aviv hinaus – die Sirenen ertönten auch in Caesarea, Hadera und Jerusalem – und zwangen insgesamt drei Millionen Israelis zeitweilig in Deckung zu gehen. In Israel führt das dazu, dass sich nun mehr Menschen denjenigen Bürgern identifizieren, die in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen leben. Denn deren Alltag ist seit Jahren von Raketenbeschuss geprägt.

In dem asymmetrischen Krieg der Hamas gegen Israel aber ist genau das der größte Erfolg, auf den sie verweisen kann.

Die israelische Luftwaffe flog am Dienstag ihrerseits mehr als hundert Angriffe im Gazastreifen. Im Visier hatte sie vor allem militärische Ziele, aber auch die Verantwortlichen für die Raketenabschüsse. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei insgesamt 23 Menschen getötet und mehr als hundert verwundet. Darunter soll sich – nach israelischen Quellen – auch Hafez Hamed befunden haben, ein Befehlshaber des bewaffneten Flügels des Islamischen Dschihads, sowie fünf Mitglieder seiner Familie. 

Fünf Taucher getötet

Außerdem wurde ein fünfköpfiges palästinensisches Kommando in Taucherausrüstung bei dem Versuch getötet, sich mit Sprengsätzen über den Meeresweg nach Israel einzuschleusen. Ein Video der Armee, in dem die Männer im Sand zu sehen sind, wurde wiederholt im israelischen Fernsehen gezeigt. Auch da will man ja gerne beweisen, dass man Erfolg hat.  

In dem asymmetrischen Krieg Israels gegen die Hamas geht es schließlich nicht nur darum, die Raketen zu stoppen, sondern auch die Abschreckung wiederherzustellen.  

Anruf vor dem Angriff

Je länger jedoch ein solcher Krieg dauert, desto schwieriger wird es für die Armee, unschuldige Zivilisten aus dem Gefecht herauszuhalten. In einem Haus in Khan Younis im südöstlichen Teil des Gazastreifens, das nach Erkenntnissen des israelischen Militärs als Basis für Raketenangriffe dient, ließ die Armee vor ihrem Angriff auf Arabisch anrufen. 

Die Bewohner sollten das mehrstöckige Haus innerhalb von fünf Minuten verlassen, weil es bombardiert würde, lautete die Warnung. Weil sie genau das verhindern wollten, hätten Nachbarn ein menschliches Schutzschild  gebildet, manche seien sogar aufs Dach gegangen, berichtete die New York Times unter Berufung auf Augenzeugen. Sieben Menschen starben bei dem Angriff.