Die von Israel einseitig angekündigte Feuerpause bleibt offenbar ohne Wirkung. Kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause heulten in mehreren Orten im Süden Israels die Sirenen und warnten vor Raketen der Hamas.

Israel hatte eine vierstündige Feuerpause angekündigt. Sie sollte seit 14 Uhr MESZ gelten, wie die Streitkräfte mitteilten. Ein Hamas-Sprecher bezeichnete das Angebot jedoch als wertlos, weil einige Grenzgebiete nicht eingeschlossen seien, aus denen seine Organisation Verletzte in Sicherheit bringen wolle.

Die Armee hatte die Einwohner des Gazastreifens gewarnt, während der Kampfpause in die evakuierten Wohngebiete zurückzukehren. 

Bereits am Samstag hatten sich Israel und die palästinensische Hamas-Bewegung auf eine zwölfstündige Waffenruhe verständigt. Israel verlängerte diese zunächst um vier, dann um 24 Stunden.

Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch die Hamas feuerten die Streitkräfte aber vor Ablauf der Frist zurück. Die Palästinenser hatten die Feuerpause genutzt, um ihre Toten zu bergen und sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Internationale Bemühungen um eine längere Kampfpause oder einen dauerhaften Waffenstillstand blieben bisher ergebnislos.

Erneut starben Menschen bei den Gefechten. Beim Beschuss mit Panzergranaten waren in einer als Flüchtlingsunterkunft genutzten UN-Schule im Gazastreifen mindestens 15 Menschen getötet worden. Bei anderen Angriffen starben nach palästinensischen Angaben in der Region am Mittwoch zudem mindestens 40 weitere Menschen – darunter erneut Kinder. 

Aufregung um Telefonat

Die beschossene Schule stand im Flüchtlingslager Dschabalija, wo zuvor Hunderte Palästinenser Zuflucht gesucht hatten, wie der Sprecher der UN-Hilfsorganisation UNRWA sagte. Das Hilfswerk warf Israel einen "schweren Verstoß gegen das internationale Recht" vor. Er rufe die internationale Gemeinschaft "zum entschlossenen Handeln auf, um dem gegenwärtigen Gemetzel umgehend ein Ende zu machen", sagte UNRWA-Leiter Pierre Krähenbühl. Das Hilfswerk verwaltet mehr als 80 Schulen im Gazastreifen.

Aufmerksamkeit erhielt ein angebliches Telefonat zwischen US-Präsident Barack Obama und Israels Premier Benjamin Netanjahu, in dem Obama Israel mit scharfen Worten kritisiert haben soll. Obama soll mit Nachdruck einen einseitigen Waffenstillstand gefordert haben. Obama soll "unfreundlich, halsstarrig und nicht offen für Gegenargumente" gewesen sein, berichtete die Times of Israel unter Berufung auf den israelischen TV-Journalisten Oren Nahari, der das Gespräch öffentlich gemacht hat. Die USA und die israelische Regierung dementierten umgehend den Bericht und bestritten die Echtheit der Mitschrift.

Die Gesamtzahl der palästinensischen Opfer seit Beginn der Offensive stieg mittlerweile auf knapp 1.300. Mehr als 7.000 Palästinenser wurden verletzt, wie ihre Behörden mitteilten. Auf israelischer Seite starben 53 Soldaten, zwei Zivilisten und ein thailändischer Arbeiter.