Zu Beginn der dritten Woche der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ist die Zahl der palästinensischen Toten auf 639 gestiegen. Etwa 4.040 Menschen hätten Verletzungen erlitten, teilte der Leiter der Rettungskräfte im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra, mit. Auf der israelischen Seite kamen bislang 29 Soldaten und zwei Zivilisten ums Leben.

International nimmt die Kritik zu. Die Europäische Union hatte die Konfliktparteien im Nahen Osten zur Zurückhaltung und vor allem Israel zur Verhältnismäßigkeit ermahnt. Beide Seiten müssten umgehend die Waffen niederlegen, hieß es nach einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel. Dabei gestanden sie Israel das Recht zu, sich gegen die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen zu verteidigen. Die Militäroffensive müsse indes verhältnismäßig sein und sich an internationales humanitäres Recht halten. Die Raketenangriffe der radikalislamischen Hamas auf Israel kritisierte die EU in ihrer Erklärung als "kriminell und nicht zu rechtfertigen".

Israel geht militärisch aus der Luft und mit Bodentruppen gegen die Hamas vor, die immer wieder Raketen abfeuern und über Tunnel versuchen, Israel zu schaden. Mehrere internationale Airlines strichen deshalb ihre Flüge nach Tel Aviv.  

Jordanien legte dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf zum Gaza-Konflikt vor, in dem zu einem "sofortigen Waffenstillstand" zwischen Israel und der palästinensischen Hamas-Bewegung aufgerufen wird. Zudem verlangen die Verfasser den Schutz der Zivilisten und die Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens.

Auch die EU kritisierte den Tod Hunderter palästinensischer Zivilisten seit Beginn der Offensive. Besonders betroffen äußerten sich die Minister der 28 Mitgliedsstaaten über den Tod von mehr als 70 Menschen allein am Sonntag in Schedschaija, einem Vorort der Stadt Gaza. Auch die sich rasant verschlechternde Versorgungslage der Palästinenser gebe Anlass zur Sorge. Das Israelische Militär machte darauf aufmerksam, dass die Medizin- und Lebensmittellieferungen in den Gazastreifen trotz der Offensive weitergingen.

Appell an Hamas

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenminister John Kerry forderten ein sofortiges Ende der Gewalt. "Hört auf zu kämpfen und fangt an zu verhandeln!", sagte Ban bei Besuchen in Tel Aviv und Ramallah Israelis und Palästinensern.

Kerry appellierte in Kairo insbesondere an die radikal-islamische Hamas, einer Feuerpause mit Israel zuzustimmen. "Die Hamas muss eine grundlegende Entscheidung treffen, die eine erhebliche Auswirkung auf die Menschen in Gaza hat", sagte Kerry nach einem Treffen mit seinem ägyptischen Kollegen Samih Schukri.

Ägypten hatte eine Waffenruhe vorgeschlagen, die die Hamas jedoch ablehnt. Kernforderung der Hamas für eine Waffenruhe ist eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Sie ist in dem ägyptischen Vorschlag nicht enthalten.