Israelische Bodentruppen haben in den Militäreinsatz gegen die Hamas eingegriffen. Eine Kommandogruppe der israelischen Marine attackierte am Sonntagmorgen eine Stellung der Palästinenser im Gazastreifen, von der aus weitreichende Raketen abgeschossen worden seien, teilte das israelische Militär auf Twitter mit

Im israelischen Militärradio hieß es, die Bodentruppen seien in der Nähe von Gaza-Stadt eingesetzt worden. Vier Soldaten seien dabei leicht verletzt worden, die Abschussanlage sei zerstört. Laut Angaben der Palästinenser wurden bei der Schießerei am Strand drei Hamas-Kämpfer getötet. Die Operation ist inzwischen beendet, teilte das israelische Militär bei Twitter mit.

Die israelische Armee hatte bereits am späten Samstagabend Einwohner des nördlichen Gazastreifens aufgefordert, zu ihrer eigenen Sicherheit ihre Häuser zu verlassen. Es sei unsicher, sich "nahe der Hamas" aufzuhalten. Beobachtern zufolge könnte die Warnung auf eine baldige schwere Angriffswelle hindeuten.

Bei einem Luftangriff Israels in der Stadt Gaza starben am Samstagabend 18 Menschen und rund 50 weitere wurden verletzt. Unter den Toten war nach Angaben von Sanitätern auch der Polizeikommandeur des Gazastreifens, Taisir al-Batsch. Der Leiter der Rettungskräfte im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra, sagte später dagegen, der Polizeichef lebe noch, sei aber schwer verletzt. Al-Kidra sprach von dem schlimmsten Angriff in dem Palästinensergebiet seit Beginn der israelischen Luftoffensive in der Nacht zum Dienstag. In einer benachbarten Moschee seien zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden, die dort beteten.

Raketenbeschuss bis weit ins Land

Bisher seien insgesamt 163 Palästinenser getötet und 1.065 verletzt worden, teilte al-Kidra am Sonntag mit. Seit dem Start der Angriffe auf die islamistische Hamas bombardierte die israelische Armee nach eigenen Angaben mehr als 1.220 Ziele. Demnach gingen in der Zeit 809 Raketen der Hamas auf israelischem Gebiet nieder, überdies wurden rund 143 von der Raketenabwehr abgefangen.

Hamas-Kämpfer im Gazastreifen feuerten am Samstagabend erneut mehrere Raketen auf Tel Aviv und andere Ziele in Israel ab. In der Großstadt heulten die Alarmsirenen, viele Bürger begaben sich in Schutzräume und andere gesicherte Zonen. Eine Armeesprecherin berichtete, dass die Raketenabwehr drei der Geschosse abgefangen habe. In Tel Aviv waren mehrere Detonationen zu hören – offenbar die Abschussgeräusche des Abwehrsystems "eiserne Kuppel".

Auch in Jerusalem und anderen Teilen Israels heulten am Abend und in der Nacht zum Sonntag erneut die Sirenen.

Am Samstagabend wurden laut Armee zudem erneut auch zwei Raketen vom Libanon aus auf Israel abgeschossen. Sie landeten nördlich der Stadt Naharija auf freiem Feld. Berichte über Schäden oder Verletzte gab zunächst nicht.

Vorbereitung auf "lange Tage des Kämpfens"

Inmitten des Blutvergießens kommt aber auch die Krisendiplomatie in Gang. Am Sonntag treffen die Außenminister Deutschlands, der USA, Großbritanniens und Frankreichs am Rand der Atomgespräche in Wien zusammen, um Möglichkeiten für eine Waffenruhe zu erkunden. Der britische Außenminister William Hague erklärte, wie schon 2012 sei dringend "gemeinsames, internationales Handeln" gefragt. Ägypten müsse weiter eine aktive Rolle übernehmen. Zuvor hatte Hague mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman gesprochen.

Die Arabische Liga berief für Montag ebenfalls eine Krisensitzung zum Gaza-Konflikt in Kairo ein. Kuwait hatte das Treffen beantragt. Auch die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats äußerten sich nach einer Sitzung am Samstag in New York extrem besorgt über die Eskalation der Gewalt und forderten eine Waffenruhe.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte nach Medienberichten, Israel bereite sich auf weitere "lange Tage des Kämpfens" vor. Israel will nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu so lange weiter die Hamas-Kämpfer und ihre Stellungen im Gazastreifen angreifen, bis die Islamisten keine Raketen mehr Richtung Israel abfeuern. Auch die Option eines Einmarschs mit Bodentruppen liegt weiter auf dem Tisch.