Trotz vereinbarter Waffenruhe sind erneut heftige Kämpfe um die Kontrolle des Flughafens von Tripolis aufgeflammt. Bei den Gefechten sei am Dienstag ein vierter Öltanker von Kugeln getroffen worden, doch sei er nicht in Brand geraten, sagte ein ranghoher Vertreter der staatlichen libyschen Ölgesellschaft, Samir Kamal. Erst am Montagabend hatten die rivalisierenden Milizen sich auf Drängen der Stadtverwaltung von Tripolis auf eine 24-stündige Feuerpause verständigt, damit die Feuerwehr in dieser Zeit das durch Schüsse in Brand geratene Treibstoffdepot löschen könnten.

Doch binnen Stunden wurde die Vereinbarung gebrochen. Die Regierung musste die Feuerwehr wegen neuer Scharmützel abziehen.

Wegen der seit zwei Wochen tobenden Gefechte um den Flughafen der libyschen Hauptstadt haben mittlerweile zahlreiche ausländische Diplomaten das Land verlassen, darunter auch die Mitarbeiter der deutschen und der US-Botschaft sowie Vertreter der Vereinten Nationen. 

Milizen brüsten sich mit Abschuss von Kampfjet

Auch in Bengasi im Osten des Landes bekämpfen sich islamistische Milizen und Anhänger des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar seit Wochen. Islamistische Kampfeinheiten eroberten am Dienstag einen wichtigen Armeestützpunkt. Von Seiten des Militärs und der Aufständischen hieß es übereinstimmend, der Revolutionäre Schura-Rat von Bengasi habe das dortige Hauptquartier der Streitkräfte übernommen. Dem gingen tagelange Kämpfe zwischen regulären Streitkräften und islamistischen Gruppierungen voraus. Seit Samstag wurden bei den Kämpfen laut Angaben der Gesundheitsdienste rund 60 Menschen getötet.

Am Dienstag stürzte ein Kampfjet in der Region ab, nachdem Haftars Nationalarmee eine Reihe nächtlicher Luftangriffe auf Stellungen der Milizen geflogen hatte. Ein Sprecher der Nationalarmee machte einen technischen Fehler für den Absturz verantwortlich. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz gerettet. Dagegen erklärten die Milizen, sie hätten die Maschine abgeschossen – als Vergeltung für die Luftangriffe.

Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 versinkt das Land zunehmend im Chaos. Vielerorts haben Milizen die Kontrolle übernommen. Die Interimsregierung steht ihnen weitgehend hilflos gegenüber.