Die Leichen der Absturzopfer von Flug MH17 sind von der Unglücksstelle abtransportiert worden. Wie Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichteten, seien die Leichen der malaysischen Passagiermaschine in die ostukrainische Stadt Tores gebracht worden.

Damit gibt es nach zahlreichen widersprüchlichen Angaben nun erstmals gesicherte Angaben über den Verbleib der geborgenen Toten. AP-Reporter bestätigten, am Absturzort befänden sich keine Leichen mehr, Helfer suchten jedoch weiter nach vereinzelten Körperteilen. Bislang sind die sterblichen Überreste von 198 der 298 Absturzopfer gefunden worden.

Die OSZE-Beobachter hatten in Begleitung von prorussischen Separatisten die Wagen inspiziert, die sich an einem etwa 15 Kilometer von der Absturzstelle entfernten Bahnhof befanden. Zu sehen gewesen seien Leichensäcke, die man aber nicht habe zählen können, sagte der stellvertretende Leiter des OSZE-Einsatzes, Alexander Hug. Die Separatisten hätten von 167 Opfern in den Waggons gesprochen, diese Zahl habe aber nicht geprüft werden können. Die Waggons sollen bis zum Eintreffen internationaler Experten in Tores bleiben.

Internationale Experten sollen Tote untersuchen

Zuvor hatte die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf einen Eisenbahnangestellten berichtet, 198 Leichen seien in einem Zug mit fünf Kühlwaggons vom Bahnhof Tores aus in Richtung der von den Rebellen kontrollierten Großstadt Donezk unterwegs. Dem widersprach der Separatistenanführer Alexander Borodaj. "Wir haben nicht vor, die Körper vor der Ankunft der Experten irgendwohin zu bringen. Die Regierung verzögert aber dieses Eintreffen", sagte er.  

Vernichtung von Beweismitteln

Die Leichen lagen über Tage hinweg bei warmen Temperaturen in dem Gebiet. Die Aufständischen argumentieren, die sterblichen Überreste hätten "aus hygienischen Gründen" abtransportiert werden müssen. Ein Sprecher des ukrainischen Sicherheitsrats warf den Rebellen dagegen vor, alles zu unternehmen, um Beweise zu unterschlagen, die belegten, dass "russische Raketen in den Abschuss des Flugzeugs verwickelt sind".

Journalisten und OSZE-Mitarbeiter durften sich am Freitag nur 75 Minuten und am Samstag weniger als drei Stunden zur Begutachtung der Trümmer an der Absturzstelle bewegen. Die Berichte hatten weltweit Empörung ausgelöst, vor allem in den Niederlanden, woher mehr als die Hälfte der Opfer stammten.

Deutsche Unfallexperten in Ukraine gesandt

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat unterdessen zwei Experten in die Ukraine entsandt, die sich an der Untersuchung der Absturzursache von Flug MH17 beteiligen sollen. Der Direktor der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), Ulf Kramer, und ein weiterer Mitarbeiter der BFU seien Richtung Unglücksstelle aufgebrochen, teilte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin mit. Die beiden Deutschen würden mit den Experten anderer Länder zusammenarbeiten.

Die Maschine der Malaysia Airlines war am Donnerstag mit 298 Menschen an Bord über dem zwischen Rebellen und der ukrainischen Regierung umkämpften Gebiet an der russischen Grenze abgestürzt. Nach ukrainischen und amerikanischen Erkenntnissen wurde sie mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Die Ukraine und die Separatisten beschuldigen sich gegenseitig, dafür verantwortlich zu sein.

Flugschreiber offenbar gefunden

Die Aufständischen haben nach eigenen Angaben die Flugschreiber der abgestürzten Maschine gefunden. Die Blackboxes würden den internationalen Luftfahrtbehörden übergeben, erklärte Rebellenführer Alexander Borodaj. Die Flugschreiber sind für die Klärung der Absturzursache des Flugs MH17 von entscheidender Bedeutung.