Die israelische Armee hat im Gazastreifen eine Mülldeponie angegeriffen, von der aus die Hamas Raketen auf Israel abgefeuert haben soll. Die Anlage wurde vor acht Jahren mit Hilfe deutscher Mittel finanziert. Laut Angaben eines Sprechers im Bundesminsterium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) war die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an der Errichtung der Anlage in den Jahren 2002 bis 2009 mit 468.000 Euro beteiligt. Betrieben wird die Anlage nach Angaben der GIZ seit längerer Zeit von den Palästinensern.

Nach israelischen Angaben feuerten Hamas-Kämpfer am 8. Juli von der in Beit Lahia gelegenen Anlage aus insgesamt 14 Raketen auf die israelische Küstenstadt Aschdod. Die Geschosse richteten keinen Schaden an, weil sie von der Raketenabwehr Iron Dome abgefangen wurden. Vier Tage später entdeckte die israelische Luftwaffe drei Raketenabschussrampen am Rand der Deponie, bombardierte und zerstörte sie. Das genaue Ausmaß der Zerstörung ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, doch das BMZ schätzt, dass "die Anlage nach Beseitigung der entstandenen Schäden weiter genutzt werden kann". Die israelische Armee zeigt in einem kurzen Video Luftbilder der Zerstörung. Das Video wurde erst jetzt freigegeben und ZEIT ONLINE zugespielt.

"Mich als jemand, der in Berlin aufwuchs, macht dieser Zwischenfall besonders wütend", sagt Armeesprecher Major Arye Shalicar. "Deutsche Steuergelder werden dafür benutzt, um Palästinensern zu helfen, und dann missbraucht die Hamas solche Einrichtungen, um unsere Zivilisten zu beschießen. Wir als Armee sind dann gezwungen, zurückzuschlagen", kommentierte Shalicar Israels Angriff gegenüber ZEIT ONLINE. Laut Angaben des BMZ unterstützt die Anlage die Abfallenstorgung für rund 40.000 Menschen in Beit Lahia.

Die wurden jetzt dazu aufgefordert, ihre Häuser zu räumen. Nach Angaben eines hochrangigen israelischen Offiziers werden rund 40 Prozent der palästinensischen Raketen von Beit Lahia im Norden Gazas aus abgefeuert. Aus diesem Grund will die Armee die Region jetzt noch intensiver beschießen. Am Sonntagmorgen warf sie Flugblätter ab und forderte die Bewohner der Kleinstadt auf, ihre Häuser vorübergehend zu verlassen. 

Israel plant verstärkten Angriff ab Sonntagabend

"Die Hamas hat unter Beit Lahia zwischen den Wohnhäusern ein Netzwerk von Tunneln errichtet, von denen aus Israel beschossen wird", sagte der israelische Offizier, der laut Armeeprotokoll anonym bleiben muss, ZEIT ONLINE. "Es ist unsere Aufgabe, Israels Zivilisten davor zu schützen. Deswegen werden wir ab Sonntagabend hier verstärkt angreifen. Wir wollen aber auch palästinensische Zivilisten schonen, deswegen rufen wir sie auf, sich in Sicherheit zu bringen, indem wir ihnen genau erklären, welche Routen sie nehmen und wohin sie gehen sollen", sagte der Offizier.

Das Innenministerium der Hamas hingegen rief die Bewohner dazu auf, in ihre Häuser zurückzukehren, um der Armee "nicht ihre Arbeit zu erleichtern". Das Flüchtlingshilfswerk UNRWA funktionierte zehn Schulen in Auffanglager um. Bislang sollen rund 17.500 Personen aus Beit Lahia geflohen und in den Schulen Zuflucht gesucht haben, teile ein UNRWA Sprecher mit. 

Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte auf Anfrage von ZEIT ONLINE mit einer schriftlichen Stellungnahme zur Bombardierung der Mülldeponie: Es sei "inakzeptabel, dass die Hamas und andere militante Gruppen zivile Einrichtungen zum Raketenabschuss nutzen. Wir verurteilen dies auf das Schärfste. Gleichzeitig rufen wir Israel dazu auf, größtmögliche Rücksicht auf den Schutz von Zivilisten und ziviler Einrichtungen zu nehmen."