Auf einem Empfang des US-Botschafters zum amerikanischen Nationalfeiertag hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die radikalislamische Hamas davor gewarnt, den Süden Israels weiter mit Raketen zu beschießen. Netanjahu sagte, falls in der Region nicht wieder Ruhe einkehre, würden die an den Rand des Gazastreifens verlegten Bodentruppen energisch handeln. "Die Sicherheit unserer Bürger kommt vor allem anderen", sagte er nach Angaben der Zeitung Jerusalem Post weiter.

Nach anhaltenden Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hatte Israels Armee zusätzliche Truppen an den Rand des Palästinensergebiets verlegt. "Wir bewegen Truppen", bestätigte ein Armeesprecher. Man strebe eine Deeskalation der Lage an, sei jedoch zum Schutz der eigenen Bürger zu allem bereit. Das israelische Sicherheitskabinett versammelte sich zu Beratungen über das weitere Vorgehen.

Der militärische Arm der Hamas drohte Israel indessen mit neuen Angriffen. Binnen 24 Stunden hatten militante Palästinenser nach israelischen Angaben mehr als 30 Raketen auf Israel abgefeuert. Drei davon schlugen in Häusern in der Grenzstadt Sderot ein.    

Israelische Luftangriffe gehen weiter

Israelische Kampfflugzeuge flogen erneut Angriffe im Gazastreifen. Dabei wurden nach Militärangaben mehr als ein Dutzend Ziele der Hamas beschossen, darunter versteckte Raketenabschusseinrichtungen und Waffenlager. Etwa zehn Verletzte wurden nach Angaben von Sanitätern in Krankenhäuser gebracht.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hatte nach dem Mord an drei jüdischen Jugendlichen eine breite Militäroffensive im Gazastreifen gefordert. Andere Minister warnten jedoch vor einem solchen Einsatz.

Demonstrationen und Friedensappelle in Jerusalem

Nach dem Mord an einem arabischen Jugendlichen kam es auch am Donnerstagabend zu gewalttätigen Auseinandersetzungen im Ostteil Jerusalems. Maskierte Palästinenser hätten Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen, berichtete der israelische Rundfunk. Ein Polizist sei verletzt worden. Die Leiche des 16-jährigen Mohammed Abu Chedair war am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Israelische Medien sprachen von möglicher Rache rechtsgerichteter Israelis für den gewaltsamen Tod der drei verschleppten jüdischen Jugendlichen. 

Der scheidende israelische Präsident Schimon Peres rief alle Bürger zu einem Ende der Gewalt und der Hetze auf. "Zwei Dinge sind jetzt notwendig: Das Gesetz respektieren und die Zunge zu zügeln", sagte er. In Jerusalem demonstrierten rund Tausend Menschen gegen Gewalt und Rassismus. "Juden und Araber werden in diesem Land zusammenleben müssen", sagte Oppositionsführer Jitzchak Herzog. Extremisten beider Seiten versuchten, das Land in eine Spirale der Gewalt zu ziehen. "Aber die Mehrheit der jüdischen und arabischen Gesellschaft will in Frieden leben."

Internationaler Währungsfonds rügt Israel

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rief Israel indessen dazu auf, die Blockade des Gazastreifens zu lockern. Die Wirtschaftslage in dem abgeschotteten Küstengebiet werde aufgrund der "zunehmenden politischen Unsicherheit" in der Region immer schlechter, warnte der IWF-Direktor im Gazastreifen und Westjordanland, Christoph Duenwald. So sei fast jeder zweite Heranwachsende in den Palästinensergebieten arbeitslos. Eine Lockerung der israelischen Restriktionen nannte Duenwald ebenso wichtig wie die finanzielle Unterstützung der Palästinenser durch das Ausland.