US-Präsident Barack Obama hat die beiden afghanischen Präsidentschaftskandidaten Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah zur Zurückhaltung aufgefordert. Obama betonte nach Angaben des Weißen Hauses, es gebe keine Rechtfertigung, auf gewaltsame oder verfassungswidrige Verhaltensweisen zurückzugreifen. Dies würde ein Ende der US-Hilfe für das Land bedeuten.

Obama telefonierte mit Abdullah, der seine Niederlage bei der Stichwahl nicht anerkennt und den Sieg beansprucht, sowie mit Ghani, der bei der Stichwahl nach vorläufigen Angaben in Führung liegt. Obama betonte, die USA erwarteten eine gründliche Überprüfung aller begründeten Betrugsvorwürfe. Alle Seiten sollten Schritte vermeiden, die die nationale Einheit Afghanistans gefährdeten.

Der frühere Außenminister Abdullah nannte das vorläufige Ergebnis der Präsidentenwahl, das seinen Kontrahenten Aschraf Ghani deutlich in Führung sieht, ein Ergebnis von Wahlbetrug. Abdullah sagte in Kabul vor Tausenden Anhängern: "Ich bin in beiden Wahlrunden der Gewinner der ehrlichen Stimmen des afghanischen Volkes."

Abdullah hatte die erste Wahlrunde am 5. April deutlich gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. In der Stichwahl gewann Ghani dann nach dem vorläufigen Ergebnis vom Montag 56,44 Prozent der Stimmen, Abdullah kam nur noch auf 43,56 Prozent.

EU fordert Untersuchung

Die EU fordert eine sorgfältige Aufarbeitung möglicher Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. "Die Wahlbehörden müssen sicherstellen, dass die Prüfungen der Stimmen  gründlich und transparent durchgeführt werden", teilte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel mit.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte ebenfalls an beide Kandidaten, mit politischem Weitblick und gemeinsam mit der Wahlkommission an der Klärung der Vorwürfe mitzuwirken.

"Die Menschen in Afghanistan haben Drohungen und Gewalt mutig getrotzt und sich in großer Zahl an beiden Wahlgängen beteiligt. Sie haben Anspruch darauf, dass die Vorwürfe über massive Wahlfälschungen rasch untersucht und vollständig aufgeklärt werden. Die historische Chance auf den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte Afghanistans darf jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden", sagte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes.