Die Kämpfe rivalisierender Milizen um den internationalen Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis haben sich nochmals intensiviert. Eine Waffenruhe zwischen den Gruppen scheiterte, die Milizen nahmen den gegenseitigen Beschuss wieder auf. "Der Flughafen wurde heute Morgen mit Granaten, Raketen und Panzergeschützen angegriffen", sagte der Sicherheitsbeauftragte Al-Dschilani Al-Dahesch.

Ein Querschläger traf dabei ein nahe gelegenes Haus, zwei Kämpfer einer Miliz kamen ums Leben. Ein Zivilist starb, als ein weiterer Querschläger sein Haus traf. Eine Maschine von Arab Airlines wurde auf dem Flughafen von einer Mörsergranate getroffen. Auf Fotos, die ins Internet gestellt wurden, war ein brennendes Flugzeug zu sehen.

Der Flughafen von Tripolis ist bereits seit Montag wegen der Kämpfe geschlossen. Die Milizen ringen seit einer Woche um die Kontrolle des Geländes. Mehrere Flugzeuge sowie wichtige Einrichtungen des Flughafens wurden in den vergangenen Tagen durch Raketenbeschuss schwer beschädigt.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 stand der Flughafen unter der Kontrolle der Sintan-Brigaden. Nun versuchen Islamisten-Milizen aus der östlichen Stadt Misrata versuchen, die Sintan-Brigaden zu vertreiben. Beide Milizen waren nach der Tötung Gaddafis im Zuge des Nato-Luftkriegs gegen Libyen 2011 offiziell den Ministerien für Inneres und Verteidigung unterstellt worden. Ihre Loyalität gilt aber weiterhin ihren Kommandeuren und nicht den zuständigen Ministern, aus deren Etats sie ihre Gehälter beziehen.

In Libyen begannen Mitte Mai die schwersten Kämpfe seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi vor zweieinhalb Jahren. Verantwortlich für die Eskalation ist der pensionierte General Chalifa Haftar, der mit ihm ergebenen Verbänden einen eigenen Feldzug gegen islamistische Rebellenbrigaden ausgerufen hat. Die bewaffneten Milizen sind  unter anderem für zahlreiche Morde an Offizieren, Richtern, Politikern und Ausländern verantwortlich. Das amerikanische Atlantic Council schätzt in einer Studie, dass inzwischen mehr als 250.000 Mann solchen Verbänden angehören.

Wegen der Unruhen hat die UN-Mission in dem Land ihre Mitarbeiter vorübergehend abgezogen. Sie würden erst wieder in das Land zurückkehren, wenn es die Sicherheitslage erlaube, hieß es auf der offiziellen Website.