Wasser fließt nur zwei Stunden am Tag, Bomben haben die Kläranlagen beschädigt. Strom und Internet fallen immer häufiger und länger aus, Supermärkte nehmen keine Kreditkarten mehr an und den Geldautomaten ist das Geld ausgegangen. Im ostukrainischen Donezk, dem Zentrum einer der beiden selbsternannten pro-russischen Volksrepubliken, ist Alltag kein Alltag mehr. Die Millionenstadt taumelt am Rande eines Krieges. Die Versorgungsprobleme sind die offensichtlichsten Anzeichen dafür.

Bewohner berichten, dass sich Überfälle, Entführungen und Übergriffe von jenen Kämpfern häufen, die sich zur sogenannten Volksarmee Donezk (DNA) zählen. Auch die geschlagenen Separatisten aus dem nahegelegenen Slowjansk unter Kommandeur Igor Strelkow haben sich nach Donezk zurückgezogen.

Die ukrainische Armee verstärkt jetzt ihre Kräfte rund um Donezk, um die Separatisten auch von hier zu vertreiben. Präsident Petro Poroschenko hat den pro-russischen Kämpfern angeboten, sicher nach Russland abzuziehen. Doch in Donezk denken sie nicht an Abzug.

Es ist keine Lösung erkennbar, die weitere Kämpfe verhindern könnte und damit Tote und Verletzte. Schon bei den bisherigen Zusammenstößen in der Umgebung von Donezk sind mindestens 500 Zivilisten getötet worden, dazu unzählige Kämpfer auf beiden Seiten. 34.000 Menschen sind aus den Kriegsgebieten geflohen, wenn die Situation weiter eskaliert, könnten es Hunderttausende werden.

Keine Hilfe von der Separatisten-Hotline

Eine Donezker Familie berichtet, Kämpfer der DNA hätten ihr Haus geplündert und 50.000 Griwna gestohlen, umgerechnet etwa 3.150 Euro. Die Familie tat, was die DNA den Bewohnern rät, falls sie Probleme mit den Kämpfern haben, sie rief den dafür eingerichteten Notruf an. Nach wenigen Minuten kamen Offiziere der DNA, gerade noch rechtzeitig, um ihre Kollegen zu erwischen, die das Haus mit ihrer Beute verließen.

Doch statt die Kämpfer festzunehmen und der Familie ihr Geld zurückzugeben, wie diese gehofft hatte, stellte die zweite Gruppe sie nun vor die Wahl: Sie könnten ihr Geld nur zurückbekommen, wenn sich der Vater und der älteste Sohn den Separatisten anschlössen. Sollten sie das nicht tun, werde ihr Geld als ihr Beitrag zum Krieg gesehen. Die Familie entschied sich für diese "Spende".