Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach Angaben eines Sprechers Russlands Präsident Wladimir Putin zum wiederholten Mal eindringlich aufgefordert, Einfluss auf die Separatisten im Osten der Ukraine zu nehmen. Es müsse so schnell wie möglich ein direktes Treffen der Kontaktgruppe – bestehend aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE – mit den prorussischen Aufständischen zustande kommen, teilte die Bundesregierung nach einem Telefonat der beiden Politiker am Sonntag mit. Der Umgang der Aufständischen mit den Opfern des Flugzeugabsturzes sei "katastrophal".

Nach Angaben des Kreml forderten Merkel und Putin, dass internationale Spezialisten ungehindert die Ursachen für die Katastrophe vom vergangenen Donnerstag untersuchen können, bei der 298 Menschen getötet wurden. Es sei wichtig, dass die Gefechte in der Ostukraine beendet würden und ein Friedensprozess beginne.

Zuvor hatte Merkel im Einklang mit Frankreich und Großbritannien Russland neue EU-Sanktionen angedroht. Putin müsse umgehend Druck auf die Separatisten ausüben, um den Ermittlern einen ungehinderten Zugang zur Absturzstelle von Flug MH17 zu gewährleisten, hieß es. Die Kanzlerin telefonierte am Sonntag zudem mit dem australischen Premierminister Tony Abbott, dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte, Finnlands Ministerpräsident Alexander Stubb und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Alle Gesprächspartner seien sich einig, dass rasch ein ungehinderter Zugang für eine internationale, unabhängige Kommission zur Absturzstelle sichergestellt werden müsse.

Rasche Abstimmung eher unwahrscheinlich

Derzeit verhandelt zudem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über eine Resolution zum Flugzeugabsturz. Westlichen Diplomaten zufolge hat Australien einen Entwurf vorgelegt, der von allen Beteiligten, insbesondere den prorussischen Rebellen, eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den internationalen Behörden fordert. Gleichzeitig soll das Papier jede Manipulation an der Absturzstelle verbieten.

Eine rasche Abstimmung über die Resolution im Sicherheitsrat galt als unwahrscheinlich. Zwar machten die Australier Druck, am Sonntag war der Entwurf aber noch nicht abstimmungsreif. Zudem gilt die Regel, dass dann bis zur Abstimmung 24 Stunden vergehen müssen. Die Russen haben dem Vernehmen nach noch am Sonntag einen Katalog mit Änderungsforderungen vorgelegt. Weil Moskau sein Veto einlegen kann, ist eine rasche Einigung auf ein starkes Votum unwahrscheinlich.

Das Passagierflugzeug der Malaysia Airlines war am Donnerstag mit 298 Menschen an Bord im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Vieles deutet darauf hin, dass die Boeing 777 mit einer Boden-Luft-Rakete aus von den Separatisten kontrolliertem Gebiet abgeschossen wurde. Kiew macht die Rebellen verantwortlich, diese beschuldigen die ukrainische Armee.