Ein Krisentreffen soll den Weg für eine Waffenruhe in der Ostukraine frei machen. Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko forderte alle Konfliktparteien auf, bei Verhandlungen einen Ausweg zu suchen, wie das Präsidialamt in Kiew mitteilte. Die moskautreuen Separatisten stimmten einem Treffen der sogenannten Kontaktgruppe aus Russen, Ukrainern und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) grundsätzlich zu. Sie schlugen als Ort die weißrussische Hauptstadt Minsk vor. Offiziell bestätigt war das Treffen bis zum Abend aber nicht.

Die Waffenruhe dürfe keine einseitige sein, sagte Poroschenko. Einen Dialog könne es nur geben, wenn alle Konfliktparteien gleichermaßen die Bedingungen dafür einhalten würden, sagte der Präsident der Ukraine nach Beratungen mit den Fraktionsvorsitzenden des ukrainischen Parlaments in Kiew.

Russland hat ungeachtet internationaler Friedensbemühungen mit einem Großmanöver in unmittelbarer Nähe der Krisenregion in der Ostukraine begonnen. Im Schwarzen Meer seien etwa 20 Kriegsschiffe sowie Jagdbomber und Kampfhubschrauber im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Auch Tests von Marschflugkörpern seien geplant. In der Nähe des Manövers liegen die ukrainischen Hafenstädte Odessa und Mariupol, in denen es in dem Konflikt heftige Zusammenstöße gegeben hatte.

Separatisten haben sich aus Hochburg Slowjansk zurückgezogen

Die Ukraine bezeichnete das Manöver Russlands als Verletzung des ukrainischen Luftraums und drohte damit, russische Kampfhubschrauber im ukrainischen Luftraum abzuschießen. Drei Maschinen mit Kennzeichen des russischen Militärs seien mehrmals unerlaubt auf ukrainisches Territorium geflogen, sagte Sicherheitsratschef Andrej Parubij. Die ukrainische Führung habe Russland in einer Protestnote mit Nachdruck aufgefordert, Grenzverletzungen sofort einzustellen. "Das ist eine Warnung, dass wir die Maschine sonst abschießen", sagte Parubij.  

Währenddessen haben die prorussischen Separatisten sich nach Angaben der ukrainischen Regierung weitgehend aus ihrer Hochburg Slowjansk zurückgezogen. Rebellen-Kommandeur Igor Strelkow und ein "Großteil" der aufständischen Kämpfer seien nach Geheimdienstinformationen aus der Stadt im Osten des Landes geflohen, erklärte Innenminister Arsen Awakow auf Facebook. Strelkow hatte sich am Freitag an die Regierung in Moskau gewandt und gewarnt, seine Milizen könnten die Anfang April eroberte Stadt ohne russische Hilfe nicht mehr lange halten. Die Regierungstruppen hatten ihre Offensive in der Ostukraine nach dem Ablauf einer einseitigen Waffenruhe am Dienstag wieder aufgenommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt ebenfalls auf neue Verhandlungen. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert telefonierte Merkel mit Poroschenko und mit Frankreichs Präsidenten François Hollande. Alle drei appellierten an Russland, seinen Einfluss auf die Aufständischen geltend zu machen.

Russland hatte sich in Vierergesprächen mit der Ukraine, Deutschland und Frankreich zuletzt für Friedensverhandlungen ausgesprochen. Die Seiten hatten einen neuen Versuch vereinbart, eine Waffenruhe auszuhandeln. Dazu soll spätestens am Samstag die Kontaktgruppe zusammenkommen.

Bei Gefechten waren erneut zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Durch Luftschläge und Artilleriefeuer seien sechs Stellungen prorussischer Separatisten zerstört worden, teilte ein Sprecher des "Anti-Terror-Einsatzes" in Kiew mit. Der Ort Nikolajewka sei von den Truppen eingeschlossen. Mindestens 150 Aufständische seien getötet worden. Auch zwei Soldaten seien ums Leben gekommen, vier weitere seien verletzt worden, hieß es.