Ein ukrainisches Kampfflugzeug ist nach Regierungsangaben an der Grenze zu Russland abgeschossen worden. Die Separatisten in der Ostukraine übernahmen zwar die Verantwortung dafür, doch der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej teilte mit, die Maschine könne möglicherweise von Russland abgeschossen worden sein. Die Transportmaschine sei von einer Rakete getroffen worden, die "wahrscheinlich" von russischem Territorium aus abgeschossen worden sei, teilte das Verteidigungsministerium auf der Internetseite des Präsidialamtes mit.

Das Flugzeug sei zu hoch geflogen, um von den Waffen der Separatisten getroffen worden zu sein, sagte Geletej. Demnach flog die Maschine vom Typ Antonow-26 auf einer Höhe von 6.500 Metern. Nach Behördenangaben befanden sich rund 20 Menschen in dem Flugzeug. 

Die Rebellenregierung der selbst ernannten Volksrepublik Luhansk teilte mit, vor dem Aufprall der Transportmaschine auf dem Boden seien drei Fallschirme am Himmel gesichtet worden, das Gebiet werde nach Überlebenden abgesucht.

In den vergangenen zwei Wochen hat das ukrainische Militär die Aufständischen stark zurückgedrängt und ihnen große Gebiete abgenommen. Die Kämpfer verschanzten sich daraufhin in den Großstädten Donezk und Luhansk: Die ukrainische Armee versucht die Rebellen dort nun einzukesseln und sie zu vertreiben. Bei Gefechten wurden am Wochenende Dutzende Soldaten und Zivilisten getötet.

Russland dementiert Angriffspläne

Der mögliche Abschuss des Militärtransportes von Russland aus könnte die Spannungen zwischen beiden Ländern weiter verschärfen. Nachdem eine Granate am Sonntag einen Menschen in einer russischen Grenzstadt getötet und zwei weitere verletzt hatte, hatte Russland die Führung in Kiew für den Angriff verantwortlich gemacht. Diese wies den Vorwurf zurück.

Berichte, wonach Russland als Reaktion auf den Vorfall Angriffe auf ukrainische Stellungen erwäge, dementierte Moskau allerdings. Die Meldung sei "kompletter Unsinn", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums hatte zuvor "gezielte Angriffe" auf ukrainisches Staatsgebiet angedroht. "Unsere Geduld hat Grenzen", sagte er der Zeitung Kommersant.

Nato berichtet von Hinweisen über Verstärkung der Grenztruppen

Unterdessen warf die Nato Russland vor, seine Truppen an der Grenze zur Ukraine wieder zu verstärken. "Seit Mitte Juni sehen wir Hinweise auf eine schrittweise Ansammlung Tausender Soldaten nahe der ukrainischen Grenze", erklärte eine Nato-Vertreterin. "Das ist kein Schritt in die richtige Richtung, das ist ein Schritt weg von einer Deeskalation der Lage."

Den Erkenntnissen der Nato zufolge befinden sich derzeit zwischen 10.000 und 12.000 russische Soldaten in der Region, nachdem die Zahl zuvor nach entsprechenden Forderungen des Auslands bereits auf 1.000 gesunken war. "Wir fordern Russland dringend auf, seine Truppen von der Grenze zur Ukraine abzuziehen, die Unterstützung für bewaffnete prorussische Separatisten einzustellen und den Zufluss von Kämpfern, Geld und Waffen in die Ukraine zu stoppen", erklärte die Nato-Vertreterin weiter. "Das ist höchst destabilisierend und muss aufhören."

Das Auswärtige Amt warnte, die Lage in der Ukraine sei "brandgefährlich". Nur mit direkten Gesprächen zwischen der Regierung in Kiew und Vertretern aus dem Osten der Ukraine könne verhindert werden, dass die "brenzlige Lage" weiter eskaliere, sagte eine Ministeriumssprecherin. Nach Angaben der Bundesregierung befürwortet auch Russlands Staatschef Wladimir Putin einen solchen Dialog. Putin hatte sich am Sonntag am Rande des WM-Endspiels in Rio de Janeiro mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffen.