Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben die Rebellenhochburg Slowjansk zurückerobert. Präsident Petro Poroschenko sagte, er habe den Soldaten befohlen, die ukrainische Flagge in der Stadt zu hissen. Diese sei nach nächtlichen Gefechten unter Kontrolle der Regierung. Die Rebellen bestätigten ihren Abzug. Seit dem 12. April hatten prorussische Separatisten die ostukrainische Stadt in ihrer Gewalt.

Rebellen-Kommandeur Igor Strelkow und ein Großteil der aufständischen Kämpfer seien nach Geheimdienstinformationen aus der Stadt im Osten des Landes geflohen, erklärte Ukraines Innenminister Arsen Awakow auf Facebook.

Auch der von den Separatisten ernannte Bürgermeister von Slowjansk hat den Rückzug bestätigt. "Die (prorussischen) Kämpfer sind abgezogen", sagte Wolodymyr Pawlenko. Die ukrainische Armee sei aber noch nicht in die Stadt vorgerückt. In Slowjansk herrsche ein Machtvakuum.

Von einer Niederlage wollten die Aufständischen noch nicht sprechen. Die Kämpfer seien nicht vor der Armee aus Slawjansk geflohen, sondern sie hätten lediglich zum Schutz der Zivilbevölkerung die Stellung gewechselt, sagte der Separatistenanführer Andrej Purgin von der abtrünnigen Volksrepublik Donezk. "Unser Widerstand ist nicht gebrochen", sagte er.

Purgin bekräftigte die grundsätzliche Bereitschaft der Seperatisten zu Gesprächen über eine Waffenruhe in der Ostukraine. Als Ort brachte er erneut die weißrussische Hauptstdt Minsk ins Spiel. "Die Führung in Kiew will wegen der Kämpfe nicht nach Donezk kommen, und die Vertreter der Volkswehr wiederum können wegen einer Sanktionsliste nicht nach Europa – da wäre Minsk ein Kompromiss", sagte Purgin.

Poroschenko hatte erklärt, er sei – wie diese Woche in Berlin vereinbart – zu einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine, Russland und den Rebellen über eine Waffenruhe bereit. Er habe Ort und Zeit vorgeschlagen, aber noch keine Antwort. Eigentlich sollten die Gespräche spätestens am Samstag beginnen. Eine erneute einseitige Waffenruhe, wie sie Russland gefordert hatte, schloss er aber aus. Einen Dialog könne es nur geben, wenn alle Konfliktparteien gleichermaßen die Bedingungen dafür einhalten würden, sagte Poroschenko nach Beratungen mit den Fraktionsvorsitzenden des ukrainischen Parlaments in Kiew.

Bei weiteren Gefechten in der krisengeschüttelten Ostukraine wurden der Armee zufolge sieben Soldaten getötet und sechs verwundet.

Russland stoppte unterdessen die Rückgabe von Kriegsgerät an die Ukraine. Nach der Einverleibung der Krim im März hatte Moskau begonnen, erbeutete Ausrüstung von der Schwarzmeerhalbinsel an Kiew zurückzugeben. Es gebe aber Hinweise, dass die ukrainische Armee die Waffen bei den Kämpfen im Osten des Landes einsetze, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Weil unter diesem Beschuss auch die Zivilbevölkerung leide, stoppe Russland vorerst die Rückgabe. 

Die Nato und Russland hielten außerdem parallel im Schwarzen Meer Flottenmanöver ab. An der Nato-Übung beteiligten sich Schiffe aus den USA und sechs weiteren Nato-Staaten. Die Ukraine gehört nicht zum Bündnis.