Mit einer militärischen Belagerung der Großstädte Donezk und Luhansk will die ukrainische Armee die Separatisten zur Aufgabe zwingen. "Der Strategieplan von Präsident Petro Poroschenko sieht die völlige Blockade dieser Orte bis zur Kapitulation der Banditen vor", sagte der Vizechef des Sicherheitsrats, Michail Kowal, dem Fernsehsender Inter in Kiew. Er antwortete damit auf die Frage, ob die Armee die Städte bombardieren oder stürmen werde.

Ein Großteil der Aufständischen hatte sich am Wochenende nach Donezk und Luhansk zurückgezogen. Die ukrainische Armee hatte zuvor mehrere Städte im Osten des Landes von den Separatisten zurückerobert, darunter Slowjansk, Kramatorsk, Artemiwsk und Druschkiwka. Anschließend rückte die Armee in Richtung Donezk vor. Poroschenko sprach von einem "Wendepunkt" nach wochenlangen Gefechten und befahl die Fortsetzung der "Anti-Terror-Offensive".

Auch aus dem Ort Kostjantyniwka rückten die Rebellen ab. Die Aufständischen wollten nicht von einer Niederlage sprechen. Die Kämpfer seien nicht vor der Armee geflohen, sondern hätten zum Schutz der Zivilbevölkerung die Stellung gewechselt, sagte der Separatistenanführer Andrej Purgin. "Unser Widerstand ist nicht gebrochen." Die Aufständischen würden ihre Kräfte nun in Donezk sammeln. Am Rande der Millionenmetropole kam es zu Gefechten.

Separatisten werten Rückzug nach Donezk als Erfolg

Separatistenführer Denis Puschilin schrieb auf Twitter, Donezk bereite seine Verteidigung vor. "Alle unsere Truppen sind hier konzentriert. Die Verteidigung von Donezk wird ein Wendepunkt sein. Wir werden siegen." Mehr als 2.000 Anhänger der sogenannten Volksrepublik Donezk versammelten sich im Zentrum der Stadt, um ihren Willen zur Verteidigung ihrer Hochburg zu demonstrieren.

Der selbst ernannte "Gouverneur" von Donezk, Pawlo Gubarew, zeigte sich entschlossen zum Kampf. "Wir werden Kiew befreien, aber im Moment wissen wir nicht, wie viel Blut das kosten wird und wann wir es tun", rief er der Menge zu. Der Abzug der Rebellen aus Slowjansk sei "richtig und sogar genial", sagte er. "Jetzt wird die Armee Donezk mit seiner Million von Einwohnern einkreisen und angreifen", sagte Gubarew.

Die Demonstranten auf dem Lenin-Platz trugen Transparente mit Aufschriften wie "Rettet Donezk vor der ukrainischen Armee" und "Stoppt den Völkermord im Donbass".

Russland kritisiert die Gefechte

Russland kritisierte die Gefechte scharf. Es sei "zutiefst beunruhigend", dass die vereinbarten Verhandlungen der ukrainischen Führung mit den Aufständischen nicht stattgefunden hätten, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Lawrow forderte, bei einem Krisentreffen müsse eine neue Feuerpause vereinbart werden. Die ukrainische Führung reagierte auf den Appell zu Verhandlungen zurückhaltend. "Bei den Gesprächen kann es eigentlich nur um die bedingungslose Waffenabgabe der Kämpfer sowie um die Freilassung der Gefangenen gehen", sagte Andrej Lyssenko vom Nationalen Sicherheitsrat. Die Regierung sei zu Verhandlungen über eine Sicherung der Grenze durch Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bereit.

In der Ostukraine kämpfen separatistische Kräfte um die Unabhängigkeit der nicht anerkannten "Volksrepubliken Donezk und Luhansk". Die Aufständischen hoffen weiter auf militärische Hilfe von Russland und einen Einmarsch russischer Truppen. Bei den Gefechten starben Schätzungen zufolge mehr als 500 Menschen.