Australien ist eines der wenigen Länder der Region, das die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet hat. "Australia advance fair" heißt es in der Nationalhymne. Wo bleibt die Fairness?, fragen Abbotts Kritiker.

Nach ihrer Ankunft landen Bootsflüchtlinge im Gefängnis, wie britische Strafgefangene vor 200 Jahren. Mit dem Unterschied, dass sie gegen kein Gesetz verstoßen haben. Zum Vergleich: Der Europäische Gerichtshof hat kürzlich für Flüchtlinge in Abschiebehaft verfügt, dass sie nicht gemeinsam mit Straftätern untergebracht werden dürfen. Bereits vor zwei Jahren urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, eine Zurückweisung von Flüchtlingen auf hoher See verletze die Menschenrechtskonvention.

Anders in Australien: Als medizinisch und hygienisch prekär kritisieren Menschenrechtler das 2012 wiedereröffnete Auffanglager in Nauru. Ein weiteres Lager befindet sich auf Manus Island: Anfang des Jahres drangen Bewohner Papua-Neuguineas mit Macheten bewaffnet dort ein und verletzten Asylbewerber, einer von ihnen starb. Bis zu sieben Jahre müssen Asylbewerber dort ausharren, bis über ihre Anträge entschieden ist. Besonders umstritten ist die Inhaftierung von Frauen und Kindern, denn Gewalt und Missbrauch sind Teil des Lageralltags.

"Land der Geheimnisse"

Inzwischen äußern sich auch die Vereinten Nationen zum Umgang Australiens mit Flüchtlingen: James Lynch, UNHCR-Repräsentant in der Region Asien-Pazifik, beschwerte sich im April in Jakarta bei einer Konferenz, die Abbott-Regierung habe kritische Fragen zu ihrer Flüchtlingspolitik seit Monaten nicht beantwortet: "Als Unterzeichner der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 und des Protokolls von 1967 hat Australien Verpflichtungen, die besagen: Wer in seinen Hoheitsgewässern Boote stoppt, muss Hilfesuchenden die Möglichkeit geben, Asyl zu beantragen."

Die Kritik nimmt auch Australien an. In offenen Briefen wird die Umkehr der bisherigen Praxis gefordert, in den Großstädten versammeln sich Menschen und fordern ein Ende der mandatory detention, des Wegsperrens von Asylbewerbern. Abbott hingegen versucht, sein zweifelhaftes Vorgehen entweder als Erfolg zu verkaufen oder möglichst wenig davon zu sprechen.

Frances Milne von der Flüchtlingsinitiative Balmain for Refugees spricht von "Geheimhaltungspolitik" und sagt: "Es ist schrecklich, dass Australien ein Land der Geheimnisse geworden ist, um Grausamkeiten von Strafmaßnahmen gegen Bootsflüchtlinge zu verschleiern." Man wisse nicht, wie viele Menschen bei Aktionen auf dem Ozean bereits ums Leben gekommen seien, sagt Menschenrechtler Ian Rintoul: "Die Abbott-Regierung verweigert jegliche Auskunft."