Die brasilianischen Sozialisten gehen mit Marina Silva in das Rennen um das Präsidentenamt. Eine Woche nach dem Tod von Präsidentschaftskandidat Eduardo Campos wurde seine Parteikollegin offiziell als Nachfolgerin bestimmt. Die Parteiführung habe sich einstimmig für die 56-jährige frühere Umweltministerin ausgesprochen, teilte Parteichef Roberto Amaral mit. "Wir hatten das riesige Glück, sie als Ersatz zu haben", fügte er hinzu. Die Entscheidung war erwartet worden. 

Silva hatte sich an der Seite von Campos um das Amt der Vizepräsidentin beworben. Als Vizepräsidentschaftskandidat solle Beto Albuquerque ins Rennen gehen, teilte die Sozialistische Partei weiter mit. 

Der 49-jährige Campos war am Mittwoch vergangener Woche mit einem Privatjet, den er für seinen Wahlkampf nutzte, in der brasilianischen Küstenstadt Santos abgestürzt. Alle sieben Insassen starben.

In den Meinungsumfragen lag der sozialistische Kandidat zuletzt hinter Amtsinhaberin Dilma Rousseff und dem zentristischen Kandidaten Aecio Neves auf dem dritten Platz. Seit seinem Tod ist seine Nachfolgerin Silva in den Umfragen gleichauf mit Neves. Demnach würden derzeit 36 Prozent für Amtsinhaberin Dilma Rousseff stimmen, 21 Prozent für Silva und 20 Prozent für Aecio Neves. Silva könnte somit einen Sieg Rousseffs im ersten Wahlgang vereiteln. Käme es zu einer Stichwahl zwischen den Politikerinnen, würde Silva laut der aktuellen Umfrage mit vier Prozentpunkten vor Rousseff liegen.

Silva war bereits einmal Präsidentschaftskandidatin

Unterstützung genießt Silva vor allem bei Brasilianern, die mit dem langsamen Wirtschaftswachstum, den hohen Steuern, der schlechten Gesundheitsversorgung und dem maroden Bildungssystem unzufrieden sind.

Die 56-jährige Silva war von 2003 bis 2008 unter Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva Umweltministerin. Während ihrer Amtszeit brachten ihre Bemühungen um den Erhalt des Amazonas-Regenwalds ihr weltweit Lob ein. Doch 2009 brach Silva mit Lulas Arbeiterpartei und schloss sich den Grünen an, für die sie ein Jahr später bei der Präsidentschaftswahl antrat. Damals holte sie fast 20 Prozent der Stimmen.