Die Bundeswehr hat ihre Hilfslieferungen in den Irak gestartet. Das erste von vier Flugzeugen hob am Freitagmorgen um 6.55 Uhr mit acht Tonnen Hilfsgütern vom schleswig-holsteinischen Standort Hohn ab. Von dort aus fliegt es nach Erbil im Norden des Irak. "Mir war wichtig, dass Deutschland zügig die erste Hilfslieferung auf den Weg bringt", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Weitere Flüge sind im Laufe des Tages vorgesehen, bis Freitagabend will die Bundeswehr mehr als 36 Tonnen Sanitätsmaterial und Lebensmittel ins kurdische Autonomiegebiet bringen. Dort sollen sie UN-Organisationen übergeben und an die Menschen verteilt werden, die vor der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) geflohen sind.

Die Bundeswehr bereite sich darauf vor, weitere Güter zu liefern, sagte Verteidigungsministerin von der Leyen. Ob auch militärische Ausrüstung wie Helme, Schutzwesten oder Unimog-Lastwagen gebraucht würden, werde sich erst in den kommenden Tagen zeigen.

Deutsche Waffenlieferungen an kurdische Einheiten oder die Regierungsarmee soll es zunächst nicht geben. Von der Leyen sagte, die irakischen Truppen kämpften vor allem mit Waffen aus der ehemaligen Sowjetunion. "Solche Waffensysteme hat Deutschland gar nicht und könnte sie auch nicht liefern." Die Bundesregierung schließt Waffenlieferungen aber nicht prinzipiell aus. Der Bild-Zeitung hatte von der Leyen gesagt: "Wenn sich ein Völkermord nur mit deutschen Waffen verhindern lässt, dann müssen wir helfen."

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: "Es gibt bei Rüstungsexporten für die Regierung immer einen politischen und rechtlichen Spielraum, und den werden wir, wenn nötig, ausschöpfen." Es sei entsetzlich, was die Menschen im Nordirak durch die Terrorgruppe Islamischer Staat erleiden würden. Frankreich hat bereits Waffen an die Kurden im Nordirak geliefert, die gegen die IS-Milizen kämpfen.

Die IS-Kämpfer haben in den vergangenen Wochen immer mehr Gebiete im Irak unter ihre Kontrolle gebracht und gehen brutal gegen Minderheiten und Andersgläubige wie Christen und Schiiten vor. Zehntausende sind vor den Islamisten auf der Flucht, die Vereinten Nationen haben die höchste Notstandsstufe ausgerufen.

Tausende Jesiden hatten sich in den vergangenen Tagen vor der Gewalt des IS ins irakische Sindschar-Gebirge gerettet und waren dort ohne Wasser und Nahrung eingeschlossen. Weil einem Großteil aber inzwischen die Flucht aus dem Gebirge gelungen ist, verwarf das US-Militär einen groß angelegten Rettungseinsatz. US-Präsident Barack Obama lobte die bisherigen Hilfslieferungen und amerikanischen Luftangriffe gegen die Dschihadisten. Weil sich die Lage der Flüchtlinge deutlich gebessert habe, sei es unwahrscheinlich, dass die USA weitere Güter im Sindschar-Gebirge abwerfen müssten.