Frankreich wird als erstes Mitgliedsland der EU Waffen in den Irak schicken und so die kurdischen Truppen für ihren Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) versorgen. Eine Lieferung werde in den kommenden Stunden erfolgen, teilte das Büro von Präsident François Hollande mit. Die Regierung in Bagdad sei mit der Lieferung einverstanden. Frankreich werde jede nötige Unterstützung angesichts der katastrophalen Lage für die Bevölkerung in den kurdischen Gebieten im Irak zur Verfügung stellen.

Zuvor hatten die EU-Botschafter sich darauf verständigt, dass jedes Mitgliedsland selbst entscheiden könne, ob es Waffen liefern wolle oder nicht. Frankreich zählte zu den Befürwortern, ebenso wie Tschechien und Italien. Die Bundesregierung hat ebenfalls ihre Unterstützung zugesichert und arbeitet derzeit intensiv daran, militärtechnische Ausrüstungen für den Kampf gegen IS direkt an die Kurden im Irak zu liefern. Zuerst hatten am Montag die USA Waffenlieferungen auf den Weg gebracht.

Die Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak hatte um Waffenlieferungen gebeten, um den Vormarsch der sunnitischen IS-Kämpfer zu stoppen. Im Norden des Landes sind mittlerweile 200.000 Menschen auf der Flucht vor den Kämpfern, die als radikaler als Al-Kaida gelten und einen Gottesstaat errichten wollen. Viele Flüchtlinge sind Christen und Jesiden.

USA erwägen den Einsatz von Bodentruppen

Die USA fliegen seit Tagen Luftangriffe auf Stellungen der IS-Milizen und verteilen Hilfsgüter in den Gebieten. Auch entsandte die Regierung in Washington weitere 130 Militärberater. Damit ist die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten auf fast 1.000 gestiegen.

Außerdem erwägen die USA einen Militäreinsatz, um Tausende jesidische Flüchtlinge zu retten. Im Gespräch seien ein Lufteinsatz und eine Rettungsaktion mit Bodentruppen, sagte Präsident Barack Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes dem Sender Fox News. Letzteres würde bedeuten, dass US-Soldaten in direkte Kampfhandlungen mit Extremisten verwickelt werden könnten. "Wir müssen herausfinden, wie wir diese Bevölkerung an einen sicheren Ort bewegen und ihnen humanitäre Hilfe bringen können", sagte Rhodes.

Der riskante Vorschlag werde aber noch entwickelt und sei noch nicht von Obama genehmigt worden, berichtete das Wall Street Journal. Das Blatt berief sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung.

Pentagonsprecher John Kirby bestätigte die Pläne zunächst nicht. "Es ist kein Rettungseinsatz in Arbeit", sagte Kirby gegenüber CNN. Die Lage im Sindschar-Gebirge, wohin sich Zehntausende Jesiden und Christen vor IS-Extremisten geflüchtet haben, sei aber sehr komplex. Nach Informationen des Wall Street Journal suche man in Washington nach anderen Möglichkeiten, um den Menschen zu helfen. Die vor knapp einer Woche begonnenen Hilfslieferungen von Wasser und Lebensmitteln seien auf Dauer keine Lösung, hieß es.

Bundesregierung liefert militärische Ausrüstung

Großbritannien hat zugesagt, militärische Ausrüstung in den Irak zu bringen. Die Transporte erfolgten im Namen anderer Länder, teilte die Regierung in London mit. Nach Informationen des Guardian handelt es sich um jordanische Militärlastwagen, die in die Gegend um Erbil gebracht werden sollen.   

Die Bundesregierung hat die Lieferung von Militärausrüstung wie Helmen, Schutzwesten, gepanzerten Fahrzeugen, Nachtsichtgeräten, Sprengfallen-Detektoren oder Sanitätsmaterial zugesagt. Sie sollen aus Bundeswehrbeständen kommen und unter Beteiligung der deutschen Luftwaffe so schnell wie möglich ins Krisengebiet geschafft werden.  

Zudem stellt die Bundesregierung zusätzliche 20 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe im Nordirak zur Verfügung. Das sagte eine Sprecherin von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). "Die Hilfe soll schnell, unbürokratisch und ohne Umwege dort ankommen." Müller fordere zugleich die Europäische Union auf, sich stärker zu engagieren, um die Flüchtlingskrisen im Irak und in Gaza zu beenden.