Ein US-Militäreinsatz im Nordirak zur Rettung von Flüchtlingen ist nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums inzwischen unwahrscheinlich. Spezialeinheiten seien nach Erkundungen im Sindschar-Gebirge zu dem Schluss gekommen, dass sich dort wesentlich weniger Menschen befänden als zunächst angenommen. Eine Sprecherin der UN-Mission im Irak (Unami) sagte, es würden sich noch rund 1.000 Jesiden in der Region befinden. Nach Luftschlägen der USA sei es vielen Flüchtlingen gelungen, der Belagerung durch die Terrormilizen Islamischer Staat (IS) zu entkommen.

Auch sei die Versorgung mit Nahrung und Wasser dank der Abwürfe aus der Luft durch US-Militärs besser als noch vor einigen Tagen, teilte Pentagonsprecher John Kirby mit. 

Nur wenige Stunden zuvor hatte die US-Regierung erklärt, sie erwäge eine Luftbrücke oder die Einrichtung von Korridoren, um die bedrohten Menschen in Sicherheit zu bringen. Es handelt sich vor allem um Angehörige der Minderheit der Jesiden. Zeitweise war von bis zu 20.000 Menschen die Rede, die sich vor den IS-Kämpfern in das karge Gebirge zurückgezogen hatten.

IS-Milizen sollen Frauen und Kinder entführt haben

Der TV-Sender CNN zitierte einen hohen IS-Kommandeur, die Milizen hätten etwa 100 Frauen und Kinder der Jesiden aus dem Sindschar-Gebirge entführt. Die Entführten befänden sich in der Stadt Mosul im Nordirak. CNN fügte allerdings hinzu, die Behauptung lasse sich derzeit nicht durch unabhängige Quellen bestätigen.

Unterdessen setzte das US-Militär seine Luftangriffe gegen die sunnitischen Milizen fort. Eine Kampfdrohne habe einen mit Waffen ausgerüsteten Lastwagen westlich von Sindschar angegriffen und zerstört, teilten die Militärs in Tampa (Florida) mit. Das Weiße Hause betonte jedoch weiterhin, es würden keine US-Kampftruppen im Irak stationiert. Obama hatte Anfang der Woche mehrere Hundert Soldaten in den Irak geschickt, diese aber als "Berater" bezeichnet.

IS-Angriffe - Jesiden berichten von panischer Flucht an die syrische Grenze

Die im Nordirak gegen die Extremisten kämpfenden Kurden sollen Militärhilfe aus Europa erhalten. Als erstes EU-Land kündigte Frankreich an, wie die USA Waffen an die Kurden zu liefern. Auch die Bundesregierung schließt inzwischen Waffenlieferungen nicht mehr aus. "Im Übrigen werde ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass wir gegebenenfalls, wenn die Bedrohungslage so anhält, auch Waffen liefern müssen", hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch dem ZDF heute Journal gesagt. In der Koalition sind die Lieferungen aber hoch umstritten.