Drei Monate nach dem Militärputsch in Thailand hat Armeechef Prayuth Chan-ocha seine Macht weiter gefestigt. Der General ließ sich von der Nationalversammlung, die vom Militär kontrolliert wird, zum Übergangsregierungschef wählen. 191 der 197 Delegierten stimmten für ihn, drei enthielten sich und drei weitere waren bei der Abstimmung abwesend. Prayuth war der einzige Kandidat. König Bhumibol muss seiner Ernennung noch zustimmen, was jedoch als Formsache gilt.

Die thailändische Armee hatte nach monatelangen politischen Unruhen mit fast 30 Toten am 22. Mai die Regierung gestürzt und die Macht in dem südostasiatischen Land übernommen. Sie setzte die Verfassung außer Kraft und kündigte an, frühestens im Herbst 2015 Parlamentswahlen zu organisieren. Bis dahin sollen von der Übergangsregierung politische Reformen umgesetzt und ein Verfassungsentwurf erarbeitet werden.

Der 60 Jahre alte Prayuth war bereits bisher de facto als Ministerpräsident aufgetreten. Eine vom Militär erlassene Übergangsverfassung gibt der Junta, der er vorsteht, uneingeschränkte Macht. Sein Vorgehen begründete er damit, dass nach sechs Monaten der Proteste gegen die frühere Führung die Ordnung im Land wiederhergestellt werden müsse.

Obwohl die Armee seit ihrer Machtübernahme mit der Androhung harter Strafen gegen ihre Gegner vorgeht, waren in sozialen Medien nach der Wahl Prayuths kritische Stimmen zu hören. Der renommierte Zeitungskommentator Pravit Rojanaphruk fragte auf Twitter, ob es Prayuth, der in der Öffentlichkeit bislang nur in Uniform auftrat, akzeptabler und weniger diktatorisch mache, wenn er künftig Anzug und Krawatte trage.

Pravit wurde in der Vergangenheit wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Regime bereits tagelang vom Militär festgehalten. Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von Anfang August nahm Thailands Militärjunta bereits über 300 Politiker, Aktivisten und Journalisten zeitweise fest. Zuletzt wurden von Betroffenen auch Foltervorwürfe erhoben.