Der russische Hilfskonvoi hat an der ukrainischen Grenze angehalten, doch andere russische Fahrzeuge sind Medienberichten zufolge auf ukrainisches Territorium vorgedrungen. Die britischen Zeitungen The Guardian und The Telegraph berichten, 23 gepanzerte Mannschaftstransportwagen hätten gemeinsam mit Tanklastwagen und anderen Versorgungsfahrzeugen die Grenze zur Ukraine passiert. An allen Fahrzeugen seien Kennzeichen des russischen Militärs angebracht gewesen.

Der Konvoi wartete den Einbruch der Dunkelheit ab, nutzte dann einen Feldweg und fuhr durch eine Lücke im Grenzzaun in von prorussischen Separatisten kontrolliertes Gebiet in der Ostukraine, berichtet der Guardian. Der Vorfall ereignete sich demnach nahe der russischen Stadt Donezk, die rund 200 Kilometer entfernt vom ukrainischen Donezk liegt. 

Der russische Hilfskonvoi, über den seit Tagen gestritten wird, steht derweil wegen mangelnder Absprachen mit dem Roten Kreuz vor der ukrainischen Grenze. Das Rote Kreuz teilte mit, es habe Kontakt aufgenommen, viele Details müssten noch geklärt werden. Der Konvoi hat nach russischen Angaben 2.000 Tonnen Hilfsgüter geladen. Er ist deswegen umstritten, weil die ukrainische Regierung Russland als Aggressor ansieht.

Moskau weist Vorwürfe zurück, die Laster könnten Waffen für die prorussischen Separatisten enthalten. Die EU und die USA werfen Russland seit Längerem vor, die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Die russische Regierung bestreitet das.

Schwere Kämpfe und Gefangenenaustausch

Ziel des russischen Konvois ist die ostukrainische Stadt Luhansk. Dort gibt es wegen der Kämpfe zwischen dem ukrainischen Militär und prorussischen Separatisten seit fast zwei Wochen weder Strom noch Wasser. Die Armee hat Luhansk nach eigenen Angaben von den Versorgungswegen abgeschnitten.

Auch die Ukraine hat mittlerweile Hilfslieferungen in Richtung der umkämpften Gebiete im Osten des Landes geschickt. 26 Fahrzeuge haben nach Regierungsangaben am Abend die Stadt Starobelsk erreicht, dort sichteten Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Waren. Insgesamt hat Kiew 75 Lastwagen mit rund 800 Tonnen Hilfsgütern ins Krisengebiet geschickt.     

Dort kam es erneut zu schweren Kämpfen. Beobachter nannten den gestrigen Donnerstag einen der verlustreichsten Tage seit Beginn der Auseinandersetzungen Mitte April. Nach Angaben der Separatisten bombardierte das ukrainische Militär Donezk. Regierungstruppen und Aufständische tauschten je 26 Gefangene aus.