Der russische Hilfskonvoi steckt an der ukrainischen Grenze fest. Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew sagte, die Kontrolle der Lieferung habe noch nicht begonnen. Als Grund sagte er, die ukrainischen Grenzbeamten hätten vom Roten Kreuz noch keine Dokumente über die Ladung bekommen. Damit fehle die Bestätigung, dass die russischen Lastwagen nur Hilfsgüter geladen haben. 

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat das Vorgehen an der Grenze jedoch offensichtlich anders geplant. Die Sprecherin des Roten Kreuzes, Viktoria Sotikowa, sagte, nicht ihre Organisation, sondern Russland müsse die Dokumente bereitstellen. Das Rote Kreuz brauche zudem eine Bestätigung aus Kiew, dass die Ladung überprüft sei und dass es sich um eine Lieferung von Hilfsgütern handle. Sotikowa forderte zudem Sicherheitsgarantien beider Seiten für die IKRK-Mitarbeiter, die den Konvoi weiter begleiten sollen.

Ein Sprecher der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bestätigte, noch sei kein Lkw unmittelbar an der Grenze eingetroffen. Die Ukraine will die Lieferung nicht ohne Kontrolle ins Krisengebiet lassen und hat deswegen 41 Grenzschützer sowie 18 Zollbeamte an einen Sammelpunkt auf der russischen Seite geschickt.

Sobald die Formalitäten geklärt sind, sollen die Waren unter Leitung des Roten Kreuzes in die Großstadt Luhansk gebracht werden. Dort warten die Menschen seit beinahe zwei Wochen auf Hilfe.

Einige Lastwagen sind nahezu leer

Am Morgen hatten die ukrainischen Beamten den Konvoi erreicht – kurz nachdem internationale Journalisten Bilder von der Ladung der Lastwagen machen durften. Darauf zu sehen waren Lastwagen, die beinahe leer waren.

Die Regierung in Kiew und andere westliche Länder fürchten, Moskau könne den Hilfskonvoi nutzen, um die Separatisten in der Ostukraine womöglich mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Russischen Angaben zufolge sind unter den Gütern unter anderem Babynahrung, Dosenfleisch, mobile Generatoren und Schlafsäcke. Ähnliches schildern die Journalisten vor Ort: Sie hätten Säcke mit Weizen, Milch und etwa Mineralwasser gesehen.

Hilfsgüter sollen in ein Lager in Luhansk

Für Gespräche über die Situation der Menschen in der Ostukraine will der Leiter für Europa und Zentralasien beim Roten Kreuz, Laurent Corbaz, nach Moskau reisen. Bei einem Besuch in Kiew sagte Corbaz, nach der Übernahme der russischen Hilfsgüter werde die Lieferung ausschließlich vom Roten Kreuz in eine Basis in Luhansk gebracht. Die geleerten russischen Lastwagen würden dann wegfahren.

Fortschritte gab es Corbaz zufolge bei der Hilfslieferung der Ukraine. 64 Lastwagen seien geplant, um die Waren im Krisengebiet zu verteilen. Bis zum Abend sollten etwa 50 davon bereitstehen.