Ob er redet oder ob er schweigt – Wladimir Putin bleibt sich treu in seiner Rolle als Sphinx der russischen Politik. So auch wieder bei seinem Auftritt in Jalta auf der Krim, von dem am Ende vor allem Merkwürdigkeiten in Erinnerung bleiben.

Putins Pressesprecher hatte eine "Rede voller Inhalt" vorausgesagt, Abgeordnete des Parlaments und Minister waren eingeflogen, Medien hatten spekuliert, Putin werde Sensationen bis hin zu einer offiziellen Einmischung in den Ukraine-Konflikt verkünden. Doch dann war nicht viel Neues zu hören. Stattdessen rätseln viele nun über Putins Auftritt am gestrigen Donnerstag und die Geschehnisse am Rande.

Der Präsident blieb sich zwar treu und kam vier Stunden zu spät, sprach, beantwortete Fragen und lud zum Abschluss alle Teilnehmer zum gemeinsamen Bad im Schwarzen Meer ein. "Wir alle haben es verdient, uns auf der Krim zu treffen", sagte er. Doch kurz bevor Putin ans Rednerpult trat, wurde die Fernsehübertragung der Rede ohne Begründung abgesagt.

Rumpelt es im Präsidialapparat?

Der russische Auslandsfernsehsender Russia Today hätte die Rede live übertragen sollen, wie es sich für ein solches Ereignis von nationaler Bedeutung in Russland gehört. Doch die Nachrichtensendung im ersten russischen Staatskanal kündigte den Krim-Auftritt Putins in der Vorschau gar nicht erst an, widmete dem Präsidenten gar nur anderthalb Minuten, ohne Ausschnitte der Rede zu zeigen. Das grenzt in der russischen Medienwirklichkeit an Majestätsbeleidigung.

Schon Anfang August wurde eine angekündigte Rede Putins ohne Erklärung abgesagt. Sind das kodierte Signale an die Elite? Oder rumpelt es im Präsidialapparat? Eine Antwort darauf ist nicht bekannt, vielleicht auch nicht gewollt. Denn das Ungewisse liegt in Russland oft ganz im Sinne der Machthaber, die ihr Land lieber aus dem Hinterzimmer regieren. 

Was aber hat Putin nun wem in Jalta mitteilen wollen – außer dem Altbekannten, dass die Krim nicht von Russland annektiert wurde und die Ukraine aus eigener Schuld im Chaos versinke? Einige Botschaften lassen sich aus Putins Auftritt herauslesen.

Putin, der Kümmerer

Der Ort, Jalta auf der Krim, war vor aller Welt als Demonstration gewählt: Hier sind wir jetzt und gehen nicht weg. Putin gab bekannt, dass die Krim ihr eigenes russisches Militärkontigent erhalten solle. Damit keine Zweifel an der Entschlossenheit Moskaus und der Wehrbereitschaft des "geopolitischen Brückenkopfes im Schwarzen Meer", wie es Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow ausdrückte, entstehen.

Die Stippvisite der Moskauer Herrscher sollte zudem ein Zeichen an die Krimbewohner sein – gerade vor den Regionalwahlen am 14. September. "Wir kümmern uns um euch", sagte Putin sinngemäß und versprach allein aus dem staatlichen Entwicklungsfonds fast 15 Milliarden Euro bis 2020.

Nach Westen sandte Putin das relativ friedvolle Signal: Wir fühlen uns ungerechtfertigt als Prügelknabe der Weltbühne und reichen doch den falsch geleiteten Politikern im Westen die Hand. So heuchlerisch es klingen mag: Russlands offizielle Position bleibt, dass für die Verschärfung des Ukraine-Konflikts andere die Verantwortung tragen. Den Anschluss der Krim und die russischen Kämpfer in der Ostukraine lässt der Kreml dabei gerne außer Acht. Auf den Wunsch, sich direkt und offiziell in die Kämpfe einzumischen, deutete nichts hin.