Ein Anhänger der Unabhängigkeit Schottlands in Glasgow © Jeff J Mitchell/​Getty Images

Wie stehen die Umfragen für die Separatisten?

In Schottland mussten die Separatisten um SNP-Chef Alex Salmond unlängst einen Rückschlag verdauen. Salmond konnte in einem TV-Duell mehrfach nicht auf die Frage antworten, mit welcher Währung Schottland denn künftig zahlen wolle. Die britische Regierung droht den Schotten nämlich damit, dass sie ihnen das Pfund wegnimmt. Die neusten Umfragen ermitteln derzeit alle eine knappe Mehrheit für die Gegner der Unabhängigkeit, aber es gibt auch noch viele Unentschlossene. In Katalonien führte die (separatistisch orientierte) Regionalregierung zuletzt im Frühjahr eine eigene Umfrage durch, derzufolge 47 Prozent der Katalanen für einen komplett unabhängigen Staat stimmen wollen. Doch 48 Prozent der Befragten gaben auch an, sich nicht als klassische Anhänger einer Unabhängigkeit zu sehen. Unentschieden war auch das Stimmungsbild bei der Frage, ob die Katalanen glauben, dass es ihnen als unabhängiger Staat wirtschaftlich besser geht. 

Gibt es vorher noch einen Kompromiss?

Vor allem in Katalonien wird derzeit nach Auswegen gesucht. Spaniens Premier Mariano Rajoy und der katalanische Regionalpräsident Artur Mas haben sich unlängst schon einmal getroffen. Was genau sie besprachen, ist nicht bekannt. Es gibt mehrere Szenarien: Eines davon ist, dass die Katalanen künftig weniger Steuern nach Madrid abführen müssen. Den Katalanen spielt außerdem in die Hände, dass die spanische Politik über eine Reform der Landesverfassung nachdenkt. Die Konstitution von 1978 gilt als veraltet, viele Prozesse im spanischen Politsystem gelten als wenig demokratisch. Als "dritter Weg" wird die Möglichkeit bezeichnet, dass die Zentralregierung den Separatisten in diesem Zusammenhang Verhandlungen über ihren Autonomiestatus anbietet. Allerdings ist Rajoy gerade in einer starken Position, weil das Referendum höchstwahrscheinlich nicht legal sein wird. Er muss den Katalanen also eigentlich keine Zugeständnisse machen. So gibt es auch Beobachter, die glauben, dass die katalonische Regierung einen Rückzieher vorbereitet und die erst 2016 anstehenden Parlamentswahlen zum Ersatz-Referendum erklärt. Wie der eher gemäßigte Regionalpräsident Artur Mas das allerdings den erstarkenden linken Separatisten in der Region erklären will, ist offen. In Schottland wird das Referendum auf jeden Fall stattfinden – und danach eventuell zähe politische Verhandlungen.

Was würde die Unabhängigkeit wirtschaftlich bedeuten?

In Schottland haben die Unabhängigkeitskämpfer ein 670 Seiten langes Gutachten erstellt, in dem sie darlegen, dass ein eigener Staat vor allem aus den Erdöl- und Gas-Einkommen leben will. Laut dem Institute of Economic and Social Research sind dies 85 Prozent des gesamten britischen Aufkommens. Allerdings ist Schottland auch hoch verschuldet und zwar mit 86 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Und die weltweit agierende Royal Bank of Scotland überlebte die Finanzkrise nur, weil sie mit Geldspritzen aus London gerettet wurde. So ist das restliche Großbritannien finanziell eng mit der potenziellen schottischen Nationalbank verwoben. Die Gegner der Unabhängigkeit argumentieren auch, dass jeder sechste Job in Schottland von einem Unternehmen abhängt, das seinen Sitz auf der anderen Seite der Insel hat. Zudem sei, darauf verweisen Ökonomen, der Rest Großbritanniens bisher der wichtigste Handelspartner der Schotten – und damit eine wichtige Einnahmequelle. Über Grenzen hinweg könne sich dieser rege Warenverkehr eintrüben. Völlig offen ist, welche Währung ein unabhängiges Schottland verwenden würde. Ohne politische Union gebe es keine gemeinsamen Finanzen, heißt es aus London. Behalten die unabhängigen Schotten einfach trotzdem das Pfund, dann sind sie auf den guten Willen der Bank of England angewiesen und können keine eigene Geldpolitik machen. Oder Schottland muss eine neue Währung etablieren. Der Euro ist verpönt und wird nicht als Option betrachtet.

Auch Katalonien ist hoch verschuldet. Die Region kämpft wegen der Finanzkrise außerdem mit hoher Arbeitslosigkeit, musste im Sommer 2012 finanzielle Hilfen beim spanischen Zentralstaat beantragen. Katalonien ist aber auch ein Industriezentrum, der Tourismus floriert, viele ausländische Unternehmen haben Niederlassungen in Nordostspanien. Ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsproduktes wird hier erwirtschaftet und ein Viertel der Exporte. Wenn man endlich nicht mehr Steuergelder an die Zentralregierung abführen müsse, dann könne man sich so einiges leisten, argumentieren die Separatisten. Allerdings ist unklar, wie die ausländischen Unternehmen auf eine etwaige Unabhängigkeit reagieren würden. Das hinge vor allem damit zusammen, ob ein unabhängiges Katalonien in der EU oder im Euroraum bleiben könnte.