Ein Hund beim katalanischen Nationalfeiertag in Barcelona © Gustau Nacarino/​Reuters

Würde die EU die neue Grenzziehung überhaupt anerkennen?

Ein unabhängiges Katalonien oder Schottland wäre ein Präzedenzfall für die EU. Die europäischen Verträge sehen keine Regeln dafür vor, was passiert, wenn sich eine Region von einem EU-Staat lossagt. Das wäre also eine rechtliche und vor allem politische Auslegungssache. Es könnte durchaus passieren, dass sich Schottland und Katalonien gemäß Artikel 49 EU regulär um eine Neuaufnahme in die EU (und dann auch den Euroraum) bewerben müssten. Beide Regionen müssten beweisen, dass sie die Stabilitätskriterien erfüllen, ein Prozess, der Jahre dauern könnte.  Es könnte aber auch sein, dass politisch ein Auge zugedrückt wird. Tolerierbar ist vieles: So benutzt Andorra seit Jahren den Euro – ohne EU-Mitglied zu sein. Manche Juristen argumentieren auch, dass beispielsweise Schottland als Teil eines schon existierenden EU-Staats sogleich ein eigener werden kann. Auch der Rechtsschutz für die in Schottland lebenden Unionsbürger wird als Argument angeführt. Die Unionsbürgerschaft könne wie die Staatsbürgerschaft nicht so einfach entzogen werden. Auch die EU könnte ein Interesse daran haben, mit den Separatisten zu kooperieren. 70 Prozent der Straßen, auf denen spanische Exportgüter nach Norden transportiert werden, verliefen durch Katalonien, heißt es aus der Regionalregierung. Grenzkontrollen und Zölle würden die Ausfuhren nur verteuern. Allerdings dürften die europäischen Staats- und Regierungschefs auch kein Interesse daran haben, durch zu viel Wohlwollen weiteren Separatismusströmungen in Europa Auftrieb zu geben.