Nach dem Ende der jüngsten Nahost-Feuerpause ist es im Gaza-Konflikt erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern gekommen. Israel wurde aus dem Gebiet am Mittelmeer mit Raketen beschossen und antwortete mit neuen Luftangriffen. Dabei starben nach palästinensischen Angaben am Mittwochmorgen sechs Menschen. Mindestens 40 weitere wurden seit Dienstagabend verletzt.

Laut Hamas wurden auch die Frau und ein Kind des Hamas-Militärchefs Mohammed Deif getötet. Mussa Abu Marsuk, Leiter der Delegation der radikal-islamischen Organisation bei den Waffenruhe-Verhandlungen in Kairo, bestätigte das. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, man prüfe Berichte, dass es sich dabei um einen gezielten Schlag gegen Deif gehandelt habe.

Die Regierung in Jerusalem hatte ihre Verhandlungsdelegation zuvor aus Kairo abgezogen. Dort sollte sechs Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs eine dauerhafte Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern gefunden werden. 

Noch vor Ablauf der jüngsten Feuerpause waren drei Raketen aus dem Gazastreifen in der Nähe der Wüstenstadt Beerscheva eingeschlagen, sagte eine israelische Militärsprecherin. Israel reagierte mit  Luftangriffen. Später heulten in weiten Teilen Israels wieder die Sirenen. Im Großraum von Tel Aviv schlug eine Rakete ein. Von Opfern oder Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Laut Hamas sei auch Jerusalem beschossen worden. Nach Polizeiangaben schlug offenbar aber nur ein Geschoss außerhalb des Stadtgebiets im Westjordanland ein. Insgesamt seien etwa 50 Raketen am Dienstag auf Israel abgefeuert worden, teilten die Streitkräfte mit. Die Hamas sprach von 34 abgefeuerten Geschossen.

Vereinte Nationen warnen vor einer Eskalation

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte in einer Stellungnahme den Bruch der Waffenruhe und zeigte sich UN-Angaben zufolge enttäuscht über die Rückkehr der gewalttätigen Auseinandersetzungen. Er forderte beide Seiten dazu auf, die Situation nicht eskalieren zu lassen.

Ein Hamas-Kommandeur sagte, die Gruppierung habe für Mittwoch den internationalen Flughafen von Tel Aviv als Ziel für Raketenangriffe ausgewählt. Internationale Fluggesellschaften sollten den Flughafen laut Hamas meiden. Den israelischen Behörden zufolge ging der Betrieb dort zunächst ohne Störung weiter. Die Hamas wies Israel mit seiner Besatzungspolitik die Schuld an der Eskalation der Gewalt zu. Schon zuvor hatte die Hamas Israel vorgeworfen, die Gespräche in Kairo über eine dauerhafte Gaza-Waffenruhe bewusst zu verzögern. Die "Manöver" der israelischen Delegation verhinderten jeden Fortschritt, sagte der palästinensische Delegationsleiter Asam al-Ahmed in Kairo.

Laut palästinensischen Medienberichten standen beide Seiten kurz vor dem Abschluss einer mehrwöchigen Waffenruhe. Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben in dem Konflikt seit dem 8. Juli auf Seite der Palästinenser 2016 Menschen, mehr als 10.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und 3 Zivilisten getötet, Hunderte Menschen erlitten Verletzungen.