Neun Tote binnen 24 Stunden: Bei Kämpfen in den von prorussischen Rebellen gehaltenen ostukrainischen Großstädten Donezk und Luhansk sind mehrere Zivilisten getötet worden.

Sechs Menschen kamen während Gefechten zwischen Regierungstruppen und Aufständischen am Stadtrand von Donezk ums Leben, wie Vize-Bürgermeister Konstantin Sawinow mitteilte. Die ganze Nacht über war bis ins Zentrum der Stadt Beschuss zu hören. Augenzeugen zufolge gerieten im Vorort Petrowski mehrere Gebäude in Brand, darunter auch eine Schule.

In Luhansk wurden im Verlauf des vergangenen Tages drei Menschen getötet, wie Vertreter der Stadtverwaltung mitteilten. Viele Bewohner seien ohne Strom, einige auch ohne Wasser. Die Lage sei kritisch und am "Rande einer humanitären Katastrophe", sagte der Bürgermeister Sergej Krawtschenko.

Nato-Chef kündigt neue Verteidigungspläne an

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kündigte indes verstärkte Militärübungen und die Ausarbeitung neuer Verteidigungspläne an. Man müsse auf Russlands fortgesetzte Unterstützung der Aufständischen in der Ukraine reagieren.

"Die russische Aggression war ein Alarmsignal und hat eine neue Sicherheitssituation in Europa geschaffen", sagte Rasmussen der französischen Zeitung Midi Libre. Ziel des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei es, neue Einflusszonen an den Grenzen zu errichten. Die Allianz werde darum "die Militärmanöver verstärken und neue Verteidigungspläne ausarbeiten".

Hinsichtlich des mutmaßlichen Abschusses der malaysischen Passagiermaschine MH17 über dem Osten der Ukraine schloss sich der Nato-Chef der Sichtweise der US-Regierung an. "Wir haben zahlreiche Informationen, die belegen, dass die von Russland unterstützten Separatisten schuld sind", sagte Rasmussen. Der Abschuss der Boeing 777 mit 298 Menschen an Bord sei ein "Kriegsverbrechen".

Ermittler überstellen Leichenteile der Opfer von MH17

Internationale Ermittler ließen unterdessen Überreste von Insassen des malaysischen Passagierflugzeuges MH17 abtransportieren. Sie wurden in Kühllastwagen von der Absturzstelle in der Ostukraine nach Charkiw gefahren. Dort sollen die Überreste laut des niederländischen Leiters des Ermittlerteams, Pieter-Jaap Aalbersberg, untersucht werden, bevor die Behörden sie in die Niederlande ausfliegen.

Laut Aalbersberg sei die Durchsuchung des Trümmerfelds nahe einer Hühnerfarm in der Gegend des Dorfes Grabowo abgeschlossen. Die Ermittler würden nun andere Orte inspizieren, an denen Wrackteile niedergegangen sind.