Ukraine-Live-Blog: Merkel fordert Folgen für Russlands Verhalten

Bundeskanzlerin Merkel fordert Sanktionen gegen Russland. US-Präsident Obama schließt ein militärisches Eingreifen der USA in der Ukraine aus. Der Tag im Live-Blog
Prorussische Separatisten patrouillieren an einem zerstörten Kriegsdenkmal östlich der Stadt Donezk. © REUTERS/​Maxim Shemetov

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit US-Präsident Barack Obama telefonisch über die Ukraine-Krise beraten. Beide seien sehr besorgt über die Meldungen, russische Soldaten und militärisches Gerät seien in den Südosten der Ukraine vorgedrungen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Verhalten Russlands dürfe nicht folgenlos bleiben, habe Merkel gesagt.

Obama hat Russland für die Eskalation in der Ukraine verantwortlich gemacht. Russland bezahle, trainiere und bewaffne prorussische Separatisten auf russischem Territorium, sagte Obama. Ein militärisches Eingreifen der USA in der Ukraine schloss er aus.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte berichtet, russische Truppen seien in die Ukraine einmarschiert. Die Nato veröffentlichte Fotos, die russische Truppen auf ukrainischem Territorium zeigen. Auch die Nato sprach von einem "Einfall" Russlands und schätzt, dass derzeit mehr als 1.000 russische Soldaten in der Ukraine aktiv sind, 20.000 weitere stünden an der Grenze bereit und würden so eine zweite Front eröffnen.

Am Abend befasste sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einer Dringlichkeitssitzung mit der Krise. Die US-Botschafterin bei den UN, Samantha Power, sagte, Russland unterstütze die illegalen Separatisten in einem souveränen Staat und kämpfe an ihrer Seite. Russland hat einen Einmarsch dementiert und bezeichnete entsprechende Berichte vehement als Lüge.

Die russische Agentur Itar-Tass meldete, die Separatisten hätten die Stadt Nowoasowsk erobert. Der Nationale Sicherheitsrat der Ukraine bestätigte, dass die ukrainischen Streitkräfte die Stadt im Süden der Region Donezk infolge des Angriffs von Separatisten verlassen mussten.

Präsident Petro Poroschenko hatte den Nationalen Sicherheitsrat am Abend einberufen. Der Rat beschloss, die Wehrpflicht in der Ukraine wieder einzuführen. Die Rekrutierung soll im Herbst beginnen.  

Am Freitag treffen sich die Nato-Staaten und beraten über die Lage in der Ukraine. Die Krise wird auch Thema auf dem EU-Gipfel am Wochenende sein, wo neue Sanktionen beschlossen werden könnten.

  • (22:54) Angela Merkel und Barack Obama haben am Telefon über die Ukraine gesprochen. Beide sind sich einig, dass das russische Vorgehen "nicht folgenlos bleiben darf". Das teilte Merkels Sprecher Steffen Seibert mit. 


    Der "Zustrom weiterer russischer Soldaten und russischen militärischen Geräts" in den Südosten der Ukraine höhle die territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine weiter aus, habe Merkel gesagt.

  • (21:21) Die Regierung in Kiew will die Wehrpflicht wieder einführen. Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat hat entschieden, im Herbst mit der Rekrutierung zu beginnen. Das hat der stellvertretende Sekretär des Rats, Michail Kowal, gesagt. Der Sicherheitsrat war zu einer Krisensitzung mit Präsident Petro Poroschenko zusammengekommen. 

    Die Ukraine hatte im Oktober den eigentlich letzten Wehrdienst-Jahrgang für eine Dauer von einem Jahr einberufen. 2014 war als Übergangsjahr zur Berufsarmee geplant gewesen.

  • (19:00) Das Verteidigungsministerium in Moskau hat die Berichte über die Präsenz russischer Soldaten in der Ukraine entschieden zurückgewiesen – diese hätten "keinen Bezug zur Realität", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Interfax.

    Russland hat gleichzeitig darauf hingewiesen, dass erst vor wenigen Tagen zahlreiche russische Soldaten in der Ukraine getötet worden sind: Mehr als 100 russische Soldaten seien vor zwei Wochen bei Kämpfen in der Ostukraine getötet worden, mehr als 300 verletzt. Zwei Mitglieder des von Putin eingesetzten Menschenrechtsrates, Ella Poljakowa und Sergej Kriwenko, beriefen sich auf Augenzeugenberichte und Verwandte der Opfer. Am 13. August sei ein mit Munition beladener Konvoi nahe Snischnje in der Provinz Donezk von einer Salve Grad-Raketen getroffen worden, sagten sie.

  • (18:10) Die Krise in der Ukraine wird auch auf dem EU-Gipfel am Samstag Thema sein, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt. Man habe immer gesagt, dass bei einer Eskalation auch über Sanktionen gegen Russland gesprochen werden müsse. "Wir streben eine diplomatische Lösung an. Doch die Situation hat sich in den vergangenen Tagen verschlechtert", sagte Merkel.
    Bereits am Freitag werden die EU-Außenminister in Mailand beraten. Von dem informellen Treffen werden noch keine Entscheidungen erwartet, hieß es aus Diplomatenkreisen.

  • (16:45) Die Ukraine sieht ihren Vorwurf einer russischen Invasion bei den Kämpfen um die strategisch wichtige Stadt Nowoasowsk bestätigt. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lyssenko, sagte, zwei russische Panzerkolonnen seien in den Ort eingefahren. Zuvor hätten sie von Russland aus einen Grenzposten mit Grad-Raketen beschossen. Die nicht ausreichend bewaffneten ukrainischen Grenzposten hätten sie durchgelassen und seien geflohen.

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