Die afghanischen Präsidentschaftskandidaten Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah haben ein Abkommen für eine gemeinsame Einheitsregierung geschlossen. Nach monatelangem Streit unterschrieben der frühere Finanzminister Ghani und der einstige Außenminister Abdullah die Vereinbarung bei einer Zeremonie im Präsidentenpalast in Kabul. Ghani soll demnach Präsident werden und Abdullah Regierungschef. 

Binnen weniger Tage soll der scheidende Präsident Hamid Karsai die Macht abgeben und sein Nachfolger vereidigt werden. Karsai sagte nach der Zeremonie, er sei sehr glücklich, dass sich seine beiden Brüder "zum Wohl dieses Landes, für den Fortschritt und die Entwicklung dieses Landes" geeinigt hätten. 

Ghani und Abdullah hatten wochenlang über den Ausgang der Präsidentenwahl gestritten und über die Vereinbarung zur Teilung der Macht verhandelt. Die erste Runde der Wahl im April hatte der ehemalige Außenminister Abdullah gewonnen, aber eine absolute Mehrheit verfehlt. Die Stichwahl im Juni entschied hingegen der frühere Finanzminister Ghani für sich.

Abdullah sprach von Wahlbetrug, seine Anhänger drohten mit Gewalt. Nach US-Vermittlung akzeptierten die Kandidaten eine Überprüfung des Ergebnisses. Bei ihren Verhandlungen über die Teilung der Macht schien immer wieder eine Einigung nahe, doch scheiterte sie dann mehrfach. Die Veröffentlichung des Endergebnisses der Präsidentschaftswahl wurde deshalb immer wieder verschoben.

Die US-Regierung gratulierte Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah zur Einheitsregierung. Man erwarte, dass es nun zu einem Sicherheitsabkommen zwischen den USA und Afghanistan kommen werde, hieß es. Der bisherige Präsident Hamid Karsai hatte eine Unterzeichnung abgelehnt und dies seinem Nachfolger überlassen. Ein Abkommen würde es den USA ermöglichen, nach dem Truppenabzug Ende 2014 noch mehrere tausend Soldaten in Afghanistan zu belassen.

Die internationale Gemeinschaft hatte auf einen reibungslosen Machtwechsel in Afghanistan gehofft, weil davon auch die weitere Präsenz internationaler Soldaten und der Zufluss internationaler Hilfe abhängt. Die von der Nato geführten Kampftruppen – darunter auch die Bundeswehr – rücken zum Jahresende ab. 

Sowohl Abdullah als auch Ghani hatten das Sicherheitsabkommen befürwortet und angekündigt, es unterzeichnen zu wollen. Die internationalen Truppen waren unter Führung der USA 2001 nach Afghanistan einmarschiert und hatten die radikalislamischen Taliban von der Macht verdrängt. Inzwischen haben die Islamisten jedoch wieder einige Gebiete im Land unter ihrer Kontrolle.