Günther Oettinger, bisher Energiekommissar, soll künftig für Digitale Wirtschaft in Europa zuständig sein. Der frühere französische Finanzminister Pierre Moscovici übernimmt in der EU-Kommission die Bereiche Wirtschaft, Währung und Steuern. Das teilte die Kommission in Brüssel mit.

Beiden Ressorts sind Vizepräsidenten übergeordnet – der Lette Valdis Dombrovskis und der Finne Jyrki Katainen für Wirtschaftsthemen, der Este Andrus Ansip für Digitales. Insgesamt gibt es sieben Vizepräsidenten, wobei der bisherige niederländische Außenminister Frans Timmermans als Erster Vizepräsident arbeiten und für eine bessere Regulierung auf EU-Ebene zuständig sein soll. 

Traditionell wichtig in Brüssel ist auch die Leitung der Wettbewerbskommission, die an die Dänin Margrethe Vestager geht. Handelskommissarin, und damit zuständig für die Verhandlungen über das strittige Freihandelsabkommen TTIP mit den USA, ist die Schwedin Cecilia Malmström. Der Brite Jonathan Hill erhält den Bereich Finanzstabilität, Finanzdienste und Kapitalmarkt.

Die Bundesregierung lobte die Entscheidung, Oettinger zum Kommissar für Digitale Wirtschaft zu ernennen. Er sei "der richtige Mann, um dieses wichtige Ressort zu bekleiden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Oettinger habe bereits als Energiekommissar sehr erfolgreich und sehr engagiert gearbeitet. Kritik kam hingegen von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, die Oettinger als "echte Fehlbesetzung" bezeichnete. "Immerhin war Jean-Claude Juncker offenbar weniger von Oettingers Qualitäten überzeugt als Angela Merkel und hat ihn nicht zum Vizepräsidenten gemacht", sagte sie in Brüssel.

Die neuen Kommissare müssen noch vom EU-Parlament bestätigt werden, bevor sie im November ihre Arbeit aufnehmen können. Das ist das Team des neuen EU-Kommissionspräsidenten:

  • EU-Außenbeauftragte und Vizepräsidentin: Federica Mogherini (S&D), bisher Außenministerin Italiens
  • Erster Vizepräsident, zuständig für bessere Regulierung: Frans Timmermans (S&D), bisher Außenminister der Niederlande
  • Vizepräsidentin, zuständig für Haushalt: Kristalina Georgiewa (EVP), bisher Kommissarin für humanitäre Angelegenheiten aus Bulgarien
  • Vizepräsident, zuständig für Digitales: Andrus Ansip (Liberale), ehemaliger Ministerpräsident Estlands
  • Vizepräsidentin, zuständig für Energie: Alenka Bratusek (Liberale), ehemalige Ministerpräsidentin Sloweniens
  • Vizepräsident, zuständig für Euro und Sozialen Dialog: Valdis Dombrovskis (EVP), ehemaliger Ministerpräsident Lettlands
  • Vizepräsident, zuständig für Arbeitsplätze Wachstum, Investition, Wettbewerbsfähigkeit: Jyrki Katainen (EVP), ehemaliger Ministerpräsident Finnlands
  • Landwirtschaft: Phil Hogan (EVP), bisher Umweltminister Irlands
  • Klima und Energie: Miguel Arias Cañete (EVP), ehemaliger Landwirtschaftsminister Spaniens
  • Wettbewerb: Margrethe Vestager (Liberale), bisher Wirtschaftsministerin Dänemarks
  • Digitales: Günther Oettinger (EVP/CDU), bisher EU-Energiekommissar aus Deutschland
  • Wirtschaft, Finanzen, Steuern, Zollunion: Pierre Moscovici (S&D), früherer Finanzminister Frankreichs
  • Bildung, Kultur, Jugend und Bürgerschaft: Tibor Navracsics (EVP), bisher Außenminister Ungarns
  • Beschäftigung, Soziale Mobilität: Marianne Thyssen (EVP), bisher Parlamentsabgeordnete in Belgien
  • Umwelt, Meer, Fischerei: Karmenu Vella (S&D), früherer Tourismusminister Maltas
  • Europäische Nachbarschaft, Erweiterungsverhandlungen: Johannes Hahn (EVP), bisher Kommissar für Regionalpolitik aus Österreich
  • Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen, Kapitalmarkt: Jonathan Hill (EKR), Koordinator der Regierungsgeschäfte im Oberhaus Großbritanniens
  • Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Vytenis Povilas Andriukaitis (S&D), bisher Gesundheitsminister Litauens
  • Humanitäre Hilfe und Krisenmanagement: Christos Stylianides (EVP), ehemaliger Regierungssprecher und EU-Abgeordneter Zyperns
  • Binnenmarkt, Industrie, Unternehmen: Elzbieta Bienkowska (EVP), bisher Stellvertreterin von Polens Ministerpräsident Donald Tusk, der EU-Ratspräsident wird
  • Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung: Neven Mimica (S&D), bisher Kommissar für Verbraucherschutz aus Kroatien
  • Justiz, Verbraucher, Gleichstellung der Geschlechter: Vera Jourova (Liberale), bisher Ministerin für Regionale Entwicklung in Tschechien
  • Migration und Inneres: Dimitris Avramopoulos (EVP), bisher Verteidigungsminister Griechenlands
  • Regionalpolitik: Corina Cretu (S&D), bisher EU-Abgeordnete aus Rumänien
  • Forschung, Wissenschaft und Innovation: Carlos Moedas (EVP), bisher Staatssekretär in Portugal
  • Handel: Cecilia Malmström (Liberale), bisher EU-Kommissarin für Innenpolitik aus Schweden
  • Transport und Raumfahrt: Maros Sefcovic (S&D), bisher Kommissar für Institutionelle Beziehungen und Verwaltung aus der Slowakei