Die Milizen des "Islamischen Staats" (IS) verstärken trotz der US-Luftschläge in Syrien ihre Angriffe auf die Kurdengebiete im Norden des Landes. Laut kurdischen Angaben verlegten sie am Mittwoch neue Einheiten in die Region nahe der türkischen Grenze und zogen den Ring um die strategisch wichtige Stadt Kobani enger.

Der stellvertretende Kommandant der Kurden, Öcalan Iso, warnte vor einer erdrückenden Übermacht der IS-Milizen. Die Zahl der Kämpfer und Panzer sei gewachsen, nachdem Rakka bombardiert worden sei. Am Dienstag hatte die von den USA geführte Koalition IS-Stützpunkte in Rakka angegriffen, der inoffiziellen Hauptstadt der Islamisten. "Kobani ist in Gefahr", sagte Iso der Nachrichtenagentur Reuters. Die IS-Milizen hätten sich bis auf acht Kilometer an die südlichen Vororte herangekämpft und seien damit so nah wie nie zuvor.

Die Niederlande sagten unterdessen zu, sich militärisch am internationalen Einsatz gegen IS zu beteiligen – allerdings nicht in Syrien, da hierfür ein völkerrechtliches Mandat fehle. Sechs Kampfflugzeuge des Typ F-16 würden für Luftangriffe im Irak zur Verfügung stehen, teilte der stellvertretende Ministerpräsident Lodewijk Asscher mit. Die Niederlande würden zur Unterstützung auch insgesamt 250 Soldaten und 130 Militär-Ausbilder in das Land entsenden. In Großbritannien berät das Parlament am Freitag über eine Beteiligung an den Luftangriffen im Irak, sagte Premier David Cameron am Mittwoch am Rande der UN-Vollversammlung in New York.

Aufgrund der sich ständig ändernden Lage ist eine exakte Aufzeichnung der verschiedenen Positionen nicht möglich. © ZEIT ONLINE

US-Präsident Barack Obama sagte bei den UN, der IS müsse zerstört werden. Diejenigen, die sich der Gruppe angeschlossen hätten, sollten das Schlachtfeld verlassen, solange sie das noch könnten. Auch Vertreter führender arabischer Länder wie Katar und Ägypten forderten vor der Vollversammlung ein gemeinsames Vorgehen der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den Terrorismus. Mit Verbündeten wie dem syrischen oder dem irakischen Volk müsse dabei allerdings fair umgegangen werden.

Russland bezweifelte die Rechtmäßigkeit der Angriffe, weil sie nicht von den UN gebilligt und von der syrischen Regierung erlaubt worden seien. Von der syrischen Regierung kam jedoch kein Protest. Der Minister für Nationale Aussöhnung, Ali Haidar, sagte Reuters, die Lage entwickele sich in die richtige Richtung, solange die syrische Regierung informiert und weder syrisches Militär noch Zivilisten angegriffen würden.