Die Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sind nur noch wenige Kilometer von der kurdischen Stadt Kobani (arabisch: Ain al-Arab) in Nordsyrien entfernt. Der Vorsitzende der selbsternannten Regionalregierung des Gebiets, Anwar Muslim, sagte, die Islamisten griffen die Stadt von allen Seiten an und befänden sich seit dem Nachmittag nur noch vier bis sieben Kilometer von dem Ort entfernt. Die Terrormiliz setze bei ihren Angriffen schwere Artillerie ein.

Die Kämpfer des IS versuchen seit Tagen, Kobani einzunehmen. Vor mehr als einer Woche hatten sie Dutzende Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht und eine Massenflucht Richtung Türkei ausgelöst. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bisher von den kurdischen Volksschutzeinheiten Redur Chelil beherrscht wurde.

Eine arabische Journalistin vor Ort schrieb unter Berufung auf Anwohner, es sei das erste Mal, dass die IS-Miliz einen so großen Angriff unmittelbar auf die Stadt führe. Bewohner würden in Autos reihenweise die Stadt verlassen. 

Nach Angaben von Redur Chelil haben mittlerweile etwa 80 Prozent der einst mehr als 50.000 Einwohner die Stadt verlassen. Zurückgeblieben seien vor allem junge Männer, die sich den IS-Extremisten entgegenstellten. Flüchtlinge berichten, die meisten Geschäfte seien geschlossen. Den Krankenhäusern in der Stadt fehle es außerdem an medizinischem Material, teilte Chelil mit.

Auch auf der türkischen Seite der Grenze schlug mindestens eine Mörsergranate aus der umkämpften syrischen Region ein. Im Distrikt Suruc sei ein Geschoss etwa einen Kilometer von der syrischen Grenze entfernt auf freiem Feld detoniert, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Dabei sei niemand verletzt worden. Reporter berichten, es habe mehrere Explosionen gegeben.

Schon am Sonntag waren mehrere Granaten auf der türkischen Seite der Grenze eingeschlagen, eine davon in einem Wohnhaus. Dabei wurden nach Angaben der Agentur Anadolu mindestens drei Zivilisten verletzt.

Aufgrund der sich ständig ändernden Lage ist eine exakte Aufzeichnung der verschiedenen Positionen nicht möglich. © ZEIT ONLINE

Sollte die Terrormiliz die Enklave komplett erobern, würde sie etwa ein Drittel der rund 900 Kilometer langen Grenze zwischen Syrien und der Türkei kontrollieren. Bereits jetzt beherrscht sie im Norden und Osten Syriens etwa ein Drittel der Fläche des Landes.