Die Katalanen dürfen nicht am 9. November über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Das spanische Verfassungsgericht in Madrid entschied einstimmig, eine Verfassungsklage der spanischen Zentralregierung gegen die geplante Abstimmung zuzulassen. Dadurch wird das Referendum automatisch um maximal fünf Monate aufgeschoben.

Die Aussetzung gibt den Richtern Gelegenheit, in einem Urteil über die Klage zu entscheiden. Sollten sie nach fünf Monaten zu keinem Urteil gekommen sein, können sie die Suspendierung aufheben oder verlängern. Spaniens Zentralregierung hatte heute Vormittag auf einer Sondersitzung beschlossen, Verfassungsklage gegen das geplante Referendum zu erheben. Mit dem Referendum wollte die katalanische Regionalregierung in Barcelona ihre Einwohner darüber abstimmen lassen, ob sie für eine Abspaltung Kataloniens von Spanien sind.

Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, dass weder die Zielsetzung noch das Verfahren der Abstimmung mit der Verfassung vereinbar wären. Zugleich bot Rajoy den Katalanen Alternativen an: "Ich stehe allen Initiativen aufgeschlossen gegenüber, solange diese sich auf der Grundlage der Legalität bewegen." Die oppositionellen Sozialisten unterstützen die konservative Regierung bei ihrem Vorgehen.

Volksabstimmungen könnten nur vom Zentralstaat abgehalten werden, begründete die Regierung ihre Klage. Der katalanische Regierungschef Artur Mas hatte hingegen darauf hingewiesen, dass der Ausgang der Abstimmung rechtlich nicht bindend sei. Nach Ansicht der Zentralregierung spielt dies jedoch keine Rolle. Madrid sieht in der Abstimmung ein "verkapptes Referendum".

Separatistische Gruppen in Katalonien hatten die Regionalregierung aufgefordert, das Referendum auch bei einem Verbot durch das Verfassungsgericht abhalten zu lassen.