Der polnische Präsident Bronisław Komorowski hat die EU und den Westen zu einer entschiedenen Haltung gegenüber Russland aufgerufen. "Die Zeiten der Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges sind vorbei", sagte er im Bundestag. Das russische Vorgehen in der Ukraine rückte er in die Nähe der NS-Politik. "Vor unseren Augen vollzieht sich die Wiedergeburt einer nationalistischen Ideologie, die unter dem Deckmantel humanitärer Parolen über den Schutz nationaler Minderheiten die Menschenrechte und das Völkerrecht verletzt. Wir kennen das allzu gut aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts", sagte Komorowski, der in Berlin an einer Gedenkstunde zum Beginn des Zweiten Weltkriegs teilnahm.

Komorowski forderte mehr militärische Anstrengungen. Die Beschlüsse des Nato-Gipfels in Wales müssten konsequent umgesetzt, die Ostflanke der Nato gestärkt werden. Eine Politik der Abschreckung sei kein Widerspruch zu Zusammenarbeit und Dialog. Gemeinsame Werte müssten auch verteidigt werden, sagte Komorowski. Russland habe sich leider nicht für eine Modernisierung der Gesellschaft, sondern für Dominanz entschieden und habe Angst davor, dass sich demokratische Selbstbestimmung im Nachbarland Ukraine durchsetze.

Mit Verweis auf Moskau sagte Komorowski: "Es gibt Mächte in der Welt, die auf eingegangene Verpflichtungen keine Rücksicht nehmen, sobald sie bei Partnern militärische Schwäche fühlen." Ausdrücklich stellte Komorowski die Situationen in Russland, Syrien, der Ukraine und dem Irak in einen Zusammenhang. Überall würden Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten missachtet.  

Komorowski forderte auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland. "Wir brauchen eine deutsch-polnische Verantwortungsgemeinschaft für die Zukunft Europas", sagte er.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte in der Feierstunde die Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland. Die Gedenkfeier im Parlament erinnere "an den verheerendsten Krieg in der Geschichte, an einen von Deutschland mutwillig herbeigeführten Krieg". Polen sei das erste Opfer des Zweiten Weltkriegs geworden. Für die Deutschen bleibe der 1. September 1939 als Tag des Kriegsbeginns "ein Stück Geschichte, das nicht einfach Vergangenheit ist". 

Am frühen Morgen des 1. September 1939 hatte das deutsche Kriegsschiff Schleswig-Holstein auf der Westerplatte, einer Halbinsel nördlich von Danzig, einen Posten der polnischen Armee beschossen. Es war der Beginn des Zweiten Weltkriegs, in dem etwa 60 Millionen Menschen ihr Leben verloren.