In Libyen hat sich inmitten des andauernden Bürgerkriegs eines zweite Regierung vereidigt. Anhänger des von Islamisten dominierten alten Parlaments hätten in Libyen ein Gegenkabinett gebildet, meldete die Nachrichtenagentur Al-Tadhamun.

Altes und neues Parlament liefern sich in Libyen derzeit einen Machtkampf. Dieser brach vor knapp zwei Wochen offen aus, nachdem das alte Parlament seine Arbeit einfach wieder aufgenommen und die Regierung für abgesetzt erklärt hatte – obwohl Anfang August das neu gewählte Abgeordnetenhaus zusammengetreten war. Abgeordnete des von Islamisten dominierten alten Parlaments sprachen dem Gremium jedoch die Legitimität ab.

Angeführt wird das Gegenkabinett vom Universitätsprofessor Omar al-Hassi. Er hatte zuvor vom alten Parlament den Auftrag erhalten, eine "Regierung der nationalen Rettung" zu bilden. Insgesamt 13 Minister hätten am Samstag vor dem libyschen Nationalkongress in Tripolis ihren Eid geleistet, berichtete Al-Tadhamun.

Wegen der unsicheren Lage in Tripolis tagt das neue Parlament in der Stadt Tobruk weit im Osten des Landes. Das im Juni gewählte Abgeordnetenhaus hat seinerseits den bisherigen Regierungschef Abdullah al-Thinni mit der Bildung einer Regierung beauftragt. Sein Kabinett war Ende August zurückgetreten. Es hatte aus dem provisorischen Regierungssitz kaum Macht ausüben können.

Libyen ist seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 nicht zur Ruhe gekommen. Islamistische Milizen liefern sich in verschiedenen Regionen immer wieder heftige Kämpfe mit Regierungstruppen und auch untereinander. Dabei handelt es sich um frühere Revolutionsbrigaden, die 2011 an Gaddafis Sturz beteiligt waren. Alle vergangenen Regierungen waren bisher gegen die andauernde Gewalt machtlos. Die Regierung von Al-Thinni bat deshalb die Vereinten Nationen um militärische Hilfe.

Die Gewalt war im August eskaliert, als islamistische Milizen bei blutigen Kämpfen den Flughafen in Tripolis einnahmen. In der ostlibyschen Stadt Bengasi gehen gleichzeitig Kräfte unter dem Kommando des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar eigenmächtig gegen radikale Islamisten vor. Ein Sprecher Haftars sagte der Zeitung Al-Sharq al-Awast, seine Einheiten seien in der vergangenen Woche weiter vorgedrungen. Allein in den vergangenen zwei Tagen hätten sie mehr als 200 Islamisten getötet.