Die EU-Kommission will wegen der Krise in der Ukraine weitere Sanktionen gegen Russland vorschlagen, über die bis Ende der Woche entschieden werden soll. Die designierte EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, Russland sei für die EU kein "strategischer Partner" mehr. "Ich wünschte mir, dass es in der Zukunft wieder ein strategischer Partner wird", sagte die italienische Außenministerin weiter. Die Staats- und Regierungschefs hatten bereits am Samstag beschlossen, dass die EU wegen des Einsatzes regulärer russischer Truppen im Osten der Ukraine ihre Wirtschaftssanktionen gegen Moskau verschärfen wird.

Die Krise in der Ukraine wird auch Hauptthema des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Tallinn sein, wo er mit den drei baltischen Staatschefs zusammentrifft. Obama will Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves, dem lettischen Staatschef Andris Bērziņš und Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė die Unterstützung der USA zusichern. Die Balten befürchten wegen der dort lebenden russischen Minderheiten eine mögliche Intervention Russlands.

Auch andere Staaten verstärken den Druck auf Russland. Australiens Handelsminister Andrew Robb sagte, seine Regierung wolle die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) davon überzeugen, Präsident Wladimir Putin von dem bevorstehenden Gipfel in Brisbane auszuladen. Australien will auch seine Sanktionen gegen Russland ausweiten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete dies als "völlig unseriös".

Sanktionen zeigen zum Teil Wirkung

Russlands Militär spürt inzwischen die bereits verhängten europäischen Sanktionen. Ein Gefechtsübungszentrum konnte nicht wie geplant am 1. September in Betrieb genommen werden. Ein Militärsprecher sagte der Agentur Interfax zufolge, wegen des Ausfuhrstopps der Bundesregierung sei Ersatz für noch fehlende Schießsimulatoren und Computer von Rheinmetall schwer zu beschaffen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte im März als Reaktion auf die Ukraine-Krise ein Geschäft des Rüstungskonzerns Rheinmetall mit Russland bis auf Weiteres gestoppt.

Bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten in der Ostukraine seien innerhalb von 24 Stunden 15 Soldaten getötet und 49 verletzt worden, teilte der Sicherheitsrat in Kiew mit. Einige verletzte ukrainische Soldaten wurden nun von der Bundeswehr nach Deutschland ausgeflogen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte zudem eine Lieferung mit medizinischer Ausrüstung, Feldlazaretten und Schutzwesten an.