Großbritanniens Premier David Cameron hat sein Versprechen bekräftigt, Schottland künftig mehr Autonomie einzuräumen. Die Region werde künftig in der Finanz- und Sozialpolitik mehr selbst bestimmen dürfen. In einer historischen Abstimmung hatten sich die Schotten zuvor gegen eine Loslösung von Großbritannien entschieden. 

Cameron hatte sich kurz vor der Abstimmung noch einmal persönlich für eine Einheit Großbritanniens stark gemacht. Für den Fall einer Abspaltung wurde über seinen Rücktritt spekuliert. Nach dem Sieg seiner Nein-Kampagne sagte er: "Wir haben die Stimme Schottlands gehört." Es bleibe bei den zuletzt gemachten Zusagen für mehr Eigenständigkeit nicht nur der Schotten, sondern auch der anderen Landesteile. "So wie die Schotten" sollten "auch die Menschen in England, Wales und Nordirland mehr Mitsprache" bekommen, sagte er.

Cameron wartete bereits mit einem Zeitplan auf, seine Autonomieversprechen umzusetzen. Nach Regierungsangaben soll bis November ein Eckpunktepapier mit Vorschlägen für die betroffenen Bereiche wie möglicherweise die Finanzpolitik vorliegen. Bis Januar sollten Gesetzentwürfe vorliegen.

Mit der staatlichen Einheit bleibt Großbritannien der Verlust eines großen Teils seines Gebiets und seiner Ölreserven erspart. Auch seine in Schottland stationierten Atomwaffen müssen nicht umgesiedelt werden. Zudem braucht Großbritannien nicht mehr einen Machtverlust in der Europäischen Union und bei den Vereinten Nationen zu befürchten. 

Die Unsicherheit hatte auch auf den Finanzmärkten Nervosität ausgelöst. Entsprechend erleichtert reagierten Geschäftsleute und Investoren auf den Ausgang. Der Aktienindex FTSE 100 kletterte um 0,7 Prozent, und das britische Pfund erreichte gegenüber dem Euro den höchsten Stand seit zwei Jahren.

"Triumph für den demokratischen Prozess"

Die monatelange Kampagne von Befürwortern und Gegnern hatte Wähler in Rekordzahlen mobilisiert – die Beteiligung lag bei fast 85 Prozent. Mehr als 4,2 Millionen Schotten und damit 97 Prozent der Wahlberechtigten hatten sich registrieren lassen, zum ersten Mal waren auch 16- und 17-Jährige zugelassen.

Der Ausgang der Abstimmung war weltweit mit Hochspannung verfolgt worden. Ein Votum der Schotten für eine staatliche Eigenständigkeit schien nach letzten Umfragen durchaus möglich, auch Experten konnten die möglichen Folgen kaum abschätzen – für Großbritannien, für die britische und die europäische Wirtschaft und für den Fortbestand anderer Staaten mit Unabhängigkeitsbewegungen, etwa Spanien oder Belgien.

EU begrüßt Nein der Schotten

Angesichts der katalanischen Bestrebungen zur Abspaltung von seinem Land reagierte Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy erleichtert auf das Nein der Schotten. "Wir sind sehr glücklich, dass Schottland bei uns bleibt", sagte er. Der Ausgang des Referendums sei positiv "für die Integration der Europäischen Union".

Auch die EU-Kommission begrüßte die Entscheidung der Schotten für einen Verbleib im Vereinigten Königreich. Das Ergebnis des schottischen Referendums sei "gut für das vereinte, offene und gestärkte Europa", sagte Kommissionschef José Manuel Barroso.