Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, den Irak im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) zu unterstützen. Dies solle im Einklang mit dem Völkerrecht geschehen, hieß es in einer Erklärung des UN-Gremiums. "Die Koalition, die notwendig ist, um den 'Islamischen Staat' zu eliminieren, ist nicht nur oder gar in erster Linie militärischer Natur", sagte US-Außenminister John Kerry in einer Sondersitzung. Sie müsse umfassend sein. Es gehe darum, ein ganzes Netzwerk zu zerstören und einen "militanten Kult, der sich als religiöse Bewegung maskiert, zu dezimieren und zu diskreditieren". Er forderte eine globale Kampagne.

Fast jedes Land habe dabei eine Rolle zu spielen, einschließlich dem Iran, sagte Kerry. Er signalisierte damit, dass die Regierung in Washington nun im Falle einer Bekämpfung der Terrormiliz IS doch zu einer Zusammenarbeit mit dem Iran bereit sein könnte. Offiziell haben die USA die diplomatischen Beziehungen zum Iran vor mehr als drei Jahrzehnten abgebrochen. Der Iran ist aber nicht nur eine wichtige Regionalmacht, er ist auch einer der wichtigsten Verbündeten der Regierungen im Irak und in Syrien, wo der IS große Teile unter seine Kontrolle gebracht hat. Der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi sagte der irakischen Regierung bei der Sitzung die Unterstützung seines Landes zu.

"Der IS stellt eine Gefahr für uns alle dar", sagte Kerry bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Angelegenheit sei dringend. "In einer Region, die schon so viel Gewalt erlebt hat, sind diese Terroristen einzigartig in ihrer Brutalität", sagte Kerry. "Wir dürfen den Moment nicht verpassen."

In der gemeinsam verabschiedeten Erklärung verurteilte das mächtigste UN-Gremium die Tötungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Folter der Terrormiliz aufs Schärfste. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es in dem Papier. Einige der Verbrechen "könnten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen".

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, 2003 sei der Rat gespalten gewesen, als es darum ging, Schritte gegen den Irak zu ergreifen. "2014 ist es für uns alle eine Pflicht, für den Irak und gegen Terroristen zu handeln."

Russlands UN-Botschafter mahnt Einbeziehung der syrischen Regierung an

Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte allerdings, sein Land "sei äußerst besorgt", dass Extremisten in Syrien aus der Luft angegriffen werden könnten ohne Einwilligung der Regierung in Damaskus. Internationale Einsätze zur Terrorismusbekämpfung benötigten entweder die Genehmigung der Regierung des betroffenen Landes oder des UN-Sicherheitsrats. "Alle anderen Optionen werden als illegal angesehen. Sie unterminieren die internationale und regionale Stabilität."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte Deutschlands Unterstützung beim Kampf gegen die Terrormiliz zu. Neben humanitärer und militärischer Unterstützung müsse es auch eine gemeinsame politische Strategie in Bezug auf Syrien und den Irak geben. Außerdem müsste der Strom von ausländischem Geld und Kämpfern zur IS gestoppt werden. "Deutschland ist bereit, seinen Teil beizutragen und zusammenzuarbeiten", sagte Steinmeier. "Wenn wir hier zusammenkommen, werden wir eine neue Ebene der Kooperation erreichen und Erfolg haben."

US-Militär warnt davor, dass sich die Terroristen zunehmend innerhalb der irakischen Bevölkerung verstecken

Der Generalstabschef der US-Armee, Ray Odierno, machte darauf aufmerksam, wie schwer es wird, die Terroristen gezielt zu treffen, ohne dass Zivilisten zu Schaden kämen. Bislang seien die Terroristen bei Luftangriffen der USA in offenem Gelände "klar zu identifizieren gewesen", doch schon jetzt infiltrierten die Kämpfer die Bevölkerung.

Es gebe Berichte, wonach sie etwa Kinder als lebende Schutzschilder benutzen sollen, sagte Odierno vor Journalisten. "Wenn du zielst, willst du sichergehen, dass du die richtigen Personen anvisierst", sagte Odierno. "Das Schlimmste, was für uns passieren kann, ist, wenn wir anfangen unschuldige Iraker, unschuldige Zivilisten zu töten."

Laut dem UN-Sondergesandten für den Irak, Nikolaj Mladenow, schätzen die Vereinten Nationen, dass es seit Januar in dem Land mindestens 25.000 zivile Tote und Verletzte gegeben hat, darunter 8.500, die ums Leben kamen. Allein seit dem Erstarken des IS im Irak im Juni starben mindestens 4.700 Zivilisten, weitere 6.500 wurden verletzt, sagte Mladenow. Die Terrormiliz habe es im Wesentlichen auf Minderheiten wie Christen und Jesiden abgesehen.