Der oberste Militärberater von US-Präsident Barack Obama schließt den Einsatz amerikanischer Bodentruppen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak nicht grundsätzlich aus. Generalstabschef Martin Dempsey sagte in einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats, er würde dem Präsidenten unter bestimmten Umständen "den Einsatz von US-Kampftruppen am Boden" empfehlen. Dies sei gegeben, wenn die Strategie versage, den irakischen Truppen etwa mit Luftangriffen oder Geheimdienstinformationen zu Erfolgen zu verhelfen. Derzeit sei ein Kampftruppen-Einsatz aber nicht nötig, sagte Dempsey.

Die US-Regierung hat bereits Soldaten in den Irak entsandt, spricht aber  ausdrücklich von Militärberatern statt von Kampftruppen, weil Obama den Einsatz von "Stiefeln auf dem Boden" (boots on the ground) entschieden ablehnt. Die Aufgabe der US-Soldaten sei allein, den Irakern bei der Koordination und Logistik im Kampf gegen den IS zu helfen, sagte Dempsey. "Wenn wir einen Punkt erreichen, an dem ich glaube, unsere Berater sollten die irakischen Truppen bei Angriffen gegen spezifische IS-Ziele begleiten, werde ich das dem Präsidenten empfehlen."

Obama hatte 2011 sein Wahlversprechen eingelöst und die letzten kämpfenden Einheiten aus dem Irak abgezogen. Es ist fraglich, ob der Präsident bereit wäre, neue Kampftruppen in den Irak zu entsenden. Allerdings hat Obama die Zahl der sogenannten Militärberater in dem Land kürzlich auf rund 1.500 erhöht. Auch kündigte er vergangene Woche in einer Rede an die Nation die Ausweitung des Anti-Terror-Kampfes gegen den IS an.    

Die USA bombardieren bereits Stellungen der IS im Irak und wollen die Angriffe wenn nötig auf Syrien ausweiten. Erstmals hat die US-Luftwaffe am gestrigen Montag ein Ziel südwestlich der Hauptstadt Bagdad bombardiert, um die irakischen Truppen zu unterstützen. Kampfflugzeuge hatten die Extremisten zuvor lediglich im Norden des Landes angegriffen. 

Der Kongress befragte nun Verteidigungsminister Chuck Hagel und Dempsey zu der Strategie der Regierung im Kampf gegen IS. Dempsey sagte, die Streitkräfte seien darauf vorbereitet, auch Luftangriffe gegen die IS-Extremisten in Syrien auszuführen. Es werde sich um eine beständige und nachhaltige Operation handeln und nicht um einen schnellen Vorstoß wie damals 2003 bei der Invasion des Iraks. Hagel sagte, auch der Einsatz aus der Luft sei mit Risiken verbunden.

In der Anhörung im Kapitol sorgten Kriegsgegner für Aufruhr. Demonstranten der Bürgerrechtsbewegung Code Pink unterbrachen die Sitzung mehrfach mit lauten Rufen. "Keinen Krieg mehr, Krieg funktioniert nicht", skandierten sie. "Die Einmischung des US-Militärs ist kontraproduktiv. Diese Dummheit muss ein für alle Mal aufhören." Senator Carl Levin wies die Aktivisten an, still zu sitzen oder zu gehen. "Sie verhalten sich selbst sehr kriegerisch."