Die USA wollen Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak und in der syrischen Grenzstadt Kobani überprüfen. Eine Bestätigung für die Verwendung von Giftgas gibt es bisher nicht, die Angaben würden aber "sehr ernst" genommen, sagte US-Außenminister John Kerry in Washington.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte alarmiert auf die Berichte über den angeblichen Chemiewaffen-Einsatz. In einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon regte Steinmeier Regierungskreisen zufolge an, dass sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit dem Thema beschäftigt. Ban habe zugesagt, das Thema "aufzunehmen".

Der Washington Post zufolge sollen IS-Extremisten im Irak Chemiewaffen eingesetzt haben. Demnach wurden im September elf Polizisten in ein Krankenhaus 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad gebracht. Sie hätten nach eigenen Angaben nach einem Angriff von IS-Kämpfern über Übelkeit, Erbrechen und Atembeschwerden geklagt. Die Diagnose in der Klinik habe auf Vergiftung durch Chlorgas gelautet.  

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats in Washington sagte: "Der Einsatz von Chlorgas als Chemiewaffe ist eine abscheuliche Tat." Umso wichtiger sei es, sich in der instabilen Region weiter für eine Vernichtung der Giftgas-Bestände einzusetzen. Ein Vertreter des irakischen Verteidigungsministeriums bestätigte der Zeitung demnach den Vorfall nahe Bagdads.

Assad soll weiter Chemiewaffen einsetzen

Der Einsatz von Giftgas in der syrischen Stadt Kobani konnte zunächst nicht bestätigt werden. Dort klagten Bewohner der Stadt nach einem Anschlag des IS über Brennen in Rachen und Augen, Übelkeit und Ohnmacht, wie die stellvertretende Vorsitzende der kurdischen Partei PYD, Asia Abdullah, nach Angaben des kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit mit Sitz in Frankfurt am Main mitteilte. Dem Krankenhaus in Kobani, in das die Menschen gebracht wurden, fehlten jedoch die Mittel, um verlässliche Tests durchzuführen. 

Nach einem Bericht der New York Times sollen dem IS Restbestände alter Chemiewaffen im Irak in die Hände gefallen sein. Im Juni hatte die Terrormiliz den Chemiewaffen-Komplex Muthanna nordwestlich von Bagdad erobert. Dort seien unter anderem Sarin-Raketen und Senfgas-Geschosse zurückgelassen worden. Die irakische Regierung versicherte Anfang Juli, die dort gelagerten Chemiewaffen seien vollständig zerstört worden.

Zugleich gibt es neue Vermutungen, dass das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad weiterhin Chemiewaffen einsetzen lässt, obwohl die internationale Gemeinschaft sich um die Zerstörung des Arsenals bemüht hatte. Das Institut für Kriegsstudien ISW in Washington zählte zuletzt mindestens 16 Vorwürfe über Chlorgas-Attacken in Syrien seit Beginn der amerikanischen Luftangriffe gegen den IS am 8. August.