Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ist für eine weitere Amtszeit im größten Land Lateinamerikas gewählt worden. Denkbar knapp gewann die Politikerin der linksgerichteten Arbeiterpartei (PT) mit 51,6 Prozent der Stimmen die Stichwahl vor ihrem wirtschaftsnahen Herausforderer Aécio Neves von der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSDB). Rousseff rief das Volk zum "Frieden und zur Einheit" auf und versprach, den Kampf gegen die Korruption zu verschärfen. Neves gestand seine Niederlage ein.

"Meine ersten Worte sind ein Aufruf zum Frieden und zur Einheit", rief die 66-Jährige bei einem Auftritt am Sonntag in der Hauptstadt Brasília ihren Anhängern zu. Die in Weiß gekleidete Politikerin trat gemeinsam mit ihrem Vorgänger und Mentor Luiz Inácio Lula da Silva auf. Immer wieder wurde sie von Jubelrufen unterbrochen. "Ich bin offen für den Dialog, das ist die oberste Priorität für meine zweite Amtszeit."

Der brasilianische Wahlkampf war mit teils heftigen persönlichen Angriffen geführt worden. Doch sie glaube nicht, dass die Wahl das Land "entzweit" habe, sagte Rousseff vor dem Hintergrund des knappen Ergebnisses. Es seien zwar entgegengesetzte Ideen zutage getreten, doch hätten sie alle ein "gemeinsames Ziel gehabt", nämlich eine bessere Zukunft für das Land. Nun sei es wichtig, dass sich "alle Brasilianer ohne Ausnahme vereinen", sagte Rousseff. Sie selbst wolle eine "noch viel bessere Präsidentin" sein als in ihrer ersten Amtszeit.

Nach Angaben der Wahlbehörden gewann Rousseff die Stichwahl am Sonntag knapp mit 51,64 Prozent der Stimmen vor ihrem Herausforderer Neves, der entsprechend auf 48,36 Prozent kam. Neves gestand in Belo Horizonte seine Niederlage ein. Er habe Rousseff gratuliert und ihr "viel Erfolg" bei der Regierungsführung gewünscht, erklärte er. Er fordere nun ein "ehrliches" Programm für das Land, dem sich alle Brasilianer anschließen könnten.

Rousseff versprach, sich als Erstes politischen Reformen zu widmen. Sie wolle mit härteren Strafen schärfer gegen die Korruption im Land vorgehen, sagte sie in ihrer Siegesrede. Sie will außerdem die Inflation bekämpfen und steht vor der schwierigen Aufgabe, die Wirtschaft zu beleben. Die Staatschefs von Ecuador und Mexiko gratulierten Rousseff zur Wiederwahl.

Rousseffs Arbeiterpartei ist seit zwölf Jahren an der Macht. Die Präsidentin selbst übernahm das höchste Staatsamt Anfang 2011 von ihrem Parteifreund Luiz Inácio Lula da Silva, der mit hohen Wachstumsraten und Sozialprogrammen in dem erfolgreichen Schwellenland punktete. In die Amtszeit Rousseffs fiel die Fußballweltmeisterschaft 2014, in deren Vorfeld es zahlreiche Proteste gab. Bereits während des Konföderationscups ein Jahr zuvor kam es zu Demonstrationen gegen die soziale Ungleichheit im Land.