Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den in Syrien verschleppten Briten Alan Henning enthauptet. Die Ermordung des Krankenwagen-Fahrers war auf einem Video zu sehen, berichtete zunächst das US-amerikanische Terrorforschungszentrum SITE. Der britische Premierminister David Cameron bestätigte inzwischen den "brutalen Mord" und kündigte einen anhaltend harten Kampf gegen den IS an. In dem Video kündigt die Terrororganisation außerdem den Mord an einer weiteren westlichen Geisel an.

Das Video folgt in der Aufmachung seinen Vorgängern: Das Opfer kniet in orangefarbener Häftlingskleidung auf dem Erdboden. Neben ihm ist ein in schwarz gekleideter, völlig vermummter IS-Kämpfer zu sehen. Alan Henning muss ein vorbereitetes Statement vortragen, in dem Großbritannien für den Angriff auf den IS kritisiert wird. Anschließend spricht der mutmaßliche Mörder. In britischem Akzent behauptet er, dass der britische Premier die Verantwortung trage für den Tod der Geisel.


"Das Blut von David Haines klebte an deinen Händen, Cameron", sagt er und fügt hinzu: "Alan Henning wird auch geschlachtet, aber sein Blut klebt an den Händen des britischen Parlaments." Dann tötet der Maskierte Henning.

In dem Video wird später außerdem eine weitere US-Geisel, der 24-jährige Peter Kassig, gezeigt. Der Maskierte stößt Drohungen gegen US-Präsident Barack Obama aus, die Geisel bleibt offenbar unversehrt. "Obama, du hast deine Luftangriffe auf Syrien gestartet, die unsere Leute treffen. Deshalb ist es nur richtig, dass wir damit weitermachen, deine Leute zu treffen", sagte der Vermummte in dem Henning-Video. 

USA wollen Mörder identifiziert haben

FBI-Direktor James Comey sagte, die USA hätten die Identität des Maskierten vermutlich herausgefunden. Details zu dem Mann wie den Namen oder die Nationalität nannte er nicht.

Der 47-jährige Henning war im Dezember entführt worden, als er mit einem inoffiziellen Hilfskonvoi auf dem Weg zu einem Flüchtlingslager in Syrien war. Er hatte sich einer Wohltätigkeitsinitiative namens Aid4Syria angeschlossen, weil er Bekannten zufolge vom Leid der Zivilbevölkerung im Bürgerkrieg tief berührt war.

In der Vergangenheit hatte der IS bereits Videos veröffentlicht, die die Enthauptungen von Geiseln zeigten, darunter die beiden US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie der Brite David Haines. 

Noch drei Tage vor der Veröffentlichung des Videos hatte Hennings Ehefrau Barbara in einer Videobotschaft an die Entführer um die Freilassung ihres Mannes angefleht. Er sei auch nach den Maßstäben der islamischen Scharia-Gesetzgebung unschuldig. Seine Familie brauche ihn.

Im Norden des Irak versuchen irakische Streitkräfte und Kurdenmilizen derzeit mit US-geführten Luftangriffen, den IS zurückzudrängen. Dieser hat in den von ihm kontrollierten Gebieten ein Kalifat ausgerufen.