In der EU ist ein Streit um eine gerechtere Verteilung von Asylbewerbern entbrannt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich am Donnerstag bei einem Treffen mit seinen europäischen Kollegen in Luxemburg dafür ausgesprochen, Kontingente auf alle EU-Staaten zu verteilen. Das würde Länder wie Italien, wo derzeit Tausende Bootsflüchtlinge über das Mittelmeer ankommen, entlasten. Auch in Deutschland würde die Zahl der Asylverfahren erwartungsgemäß sinken. Nach Deutschland sind seit Jahresbeginn rund 100.000 Asylbewerber gekommen – fast 60 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2013. Der Vorschlag ist allerdings umstritten: Viele Staaten, die derzeit wenige Flüchtlinge aufnehmen, sind dagegen.

"Wir müssen uns auf Aufnahmequoten verständigen, etwa nach Einwohnern", sagte der Bundesinnenminister. Nach de Maizières Konzept sollen Länder, die über einer festgelegten Quote lägen, entlastet werden, während Länder darunter Asylbewerber zugeteilt bekommen. 

Um die Idee umzusetzen, müssten alle Staaten dazu bereit sein. "Das ist im geltenden Recht nicht vorgesehen, deshalb müsste es freiwillig geschehen und sicher auch zeitlich befristet", sagte de Maizière. Am Dublin-Verfahren, wonach das EU-Land für das Asylverfahren zuständig ist, in dem der Asylbewerber zuerst eingereist ist, will der Minister aber nicht rütteln.

Deutschland wird unterstützt von Frankreich, Spanien, Großbritannien und Polen. Diese Länder hatten in einem gemeinsamen Brief an die EU-Kommission gefordert, dass weniger stark betroffene Länder zeitlich befristet anerkannte Flüchtlinge aufnehmen. Auch Österreich steht dahinter. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) forderte angesichts der "großen Schieflage in Europa" ebenfalls eine Quote zur Verteilung von Asylbewerbern. Zu den Gegnern einer Quotenregelung zählen laut EU-Diplomaten etwa die osteuropäischen Länder, aber auch Spanien und Portugal. 

75 Prozent aller Flüchtlinge verteilen sich auf fünf Länder

Seit dem Schiffsunglück von Lampedusa mit mehr als 360 Toten im vergangenen Jahr streiten die EU-Staaten um die Verteilung der Flüchtlinge. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström verlangte mehr Solidarität. Bislang nähmen fünf Länder – Schweden, Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich – 75 Prozent aller Asylbewerber auf. "Aber wir sind 28 Länder in der Europäischen Union", mahnte sie.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Italien Flüchtlinge nach Norden weiterreisen lässt, ohne sie zuvor registriert zu haben. Dann können diese etwa in Deutschland oder anderswo Asyl beantragen. Die dänische Ministerin Karen Haekkerup nannte es "inakzeptabel", dass so viele Flüchtlinge nach Nordeuropa reisen könnten, ohne dass Fingerabdrücke genommen wurden.

Auch dies soll sich in Zukunft ändern: Die EU-Minister berieten über ein Papier, in dem alle Staaten sich zu einer sorgfältigen Registrierung inklusive "der Abnahme von Fingerabdrücken an Land" verpflichten. De Maizière sagte, dann sei Deutschland zu mehr Solidarität bereit. Eines sei klar: "So wie die Lage jetzt ist, kann sie nicht weitergehen."