Zehntausende Konservative haben in Frankreich gegen die ihrer Meinung nach familienfeindliche Politik der linken Regierung demonstriert. Ihr Protest richtete sich gegen Leihmutterschaft und das Recht auf künstliche Befruchtung, insbesondere für lesbische Paare. Zu den Kundgebungen "für traditionelle Familienwerte" hatte in Paris und in Bordeaux die Vereinigung "Manif pour tous" (Demo für alle) aufgerufen. Sie hatte zuletzt vergebens versucht, die Einführung der Homo-Ehe in ihrem Land zu verhindern. 

Bei der aktuellen Großdemonstration sprachen die Organisatoren von 500.000 Teilnehmern in Paris und 30.000 in Bordeaux. Die Polizei zählte 70.000 und 7.500 Teilnehmer. An der Demonstration beteiligten sich auch mehrere Abgeordnete der konservativen Oppositionspartei UMP sowie eine Abordnung der rechtsextremen Partei Front National (FN).

Mit den Forderungen "Universelle Abschaffung der Leihmutterschaft" und "Schützen wir die Familie" zogen die konservativen Demonstranten in Paris von der Porte Dauphine zum Montparnasse. Auf Transparenten hieß es: "Nein zu Leihmüttern!" oder "Eine Frau ist keine Baby-Maschine". "Wir betreiben eine Vermarktung unserer Kinder", sagte ein Rentner, der in Paris an der Protestaktion teilnahm. "Der nächste Schritt ist, dass Kinder in Geschäften angeboten werden und man sich diejenigen aussucht, die einem gefallen." 

Die Demonstranten wandten sich auch dagegen, dass an französischen Schulen ihrer Meinung nach eine Theorie gelehrt werde, wonach es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gebe.

Hunderttausende unterzeichnen Gegeninitiative im Internet

Der französische Premierminister Manuel Valls hatte noch am Freitag versucht, zu schlichten und versichert, dass Leihmutterschaften in Frankreich verboten blieben. Laut einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop für die Nachrichtenwebsite atlantico.fr unterstützen weniger als ein Drittel der Franzosen (31 Prozent) die von den Demonstranten eingeforderten Werte.

Eine Gegeninitiative "für die Gleichheit aller Paare und Familien" unterzeichneten im Internet mehr als 250.000 Menschen. Zu einer Demonstration gegen La Manif pour tous in Paris fanden sich allerdings nur einige hundert Menschen ein.