Am siebten Tag der Proteste für mehr Demokratie in Hongkong ist es erneut zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Bereitschaftspolizisten setzten am frühen Sonntagmorgen wieder Pfefferspray und Schlagstöcke ein, als sie von einer Gruppe Demonstranten im Viertel Mong Kok bedrängt wurden, die der Polizei vorwarfen, mit Kriminellen zu kooperieren. Das berichten die BBC und Al Jazeeraübereinstimmend. Es gab zunächst keine Informationen über Verletzte.

Über Nacht waren Zehntausende Protestierende in den Finanzdistrikt der chinesischen Metropole gezogen, um ihrer Forderung nach politischen Reformen Nachdruck zu verleihen. Die Massenkundgebung verlief friedlich. Zuvor hatte Regierungschef Leung Chun-ying eindringlich gewarnt, die Lage könne "sehr leicht außer Kontrolle geraten". Er zeigte sich besorgt über die Auseinandersetzungen zwischen teils gewaltbereiten Protestgegnern und den Demonstranten, die neue Spannungen in der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole erzeugt hatten.

In einer Videobotschaft rief Leung beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Ultimativ forderte Leung bis Montag ein Ende der Blockaden der Demonstranten, damit die Behörden wieder arbeiten und Kinder in den betroffenen Stadtvierteln wieder zur Schule gehen könnten. Regierung und Polizeikräfte seien entschlossen, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen".  

In Hongkong demonstrieren seit mehr als einer Woche Tausende Menschen weitgehend friedlich für mehr Demokratie. Die überwiegend jungen Demonstranten fordern von China das Recht, den nächsten Regierungschef von Hongkong frei wählen zu können. Die Zentralregierung in Peking will jedoch allein entscheiden, welche Kandidaten zur Wahl zugelassen werden. 

Studentenführer verhandlungsbereit

Allerdings zeigten sich Studentenführer am Sonntagmorgen bereit zu neuen Gesprächen mit der Regionalregierung. Voraussetzung sei aber, dass diese Vorwürfe aufkläre, die Polizei habe Mitglieder der berüchtigten mafiösen Triaden zur Einschüchterung der Demokratiebewegung eingesetzt.

Demonstranten, Reporter und Abgeordnete hatten der Polizei übereinstimmend vorgeworfen, am Freitag nicht gegen die Angriffe von Schlägern auf friedliche Demonstranten eingeschritten zu sein. Daraufhin hatten die Studentenführer geplante Gespräche mit Hongkongs Verwaltungschef Leung Chun Ying zunächst abgesagt.